Kleinkunstfest: Besucherzahl verdoppelt

Dieser Artikel erschien am 20. August 2003 im reporter. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

VON ULRICH KLOSE

BAD OEYNHAUSEN (rpt). Übe' fas' doppel' so viele Besuche' beim Somm'efes' de' kleinKuns', ve'glichen mit dem vo'igen Jah', f'eu'e sich die Aqua-Magica-Gesellschaf'.

Sie haben das Vorstehende nicht verstanden? Kein Wunder: Es fehlte in den Wörtern jeweils das r und das t. Hier nochmal der komplette Satz: Über fast doppelt so viele Besucher beim Sommerfest der kleinKunst, verglichen mit dem vorigen Jahr, freute sich die Aqua-Magica-Gesellschaft. Neun verschiedene Gruppen und Einzelkünstler unterhielten am Samstagabend etwa 2 800 Zuschauerinnen und Zuschauer auf dem Landesgartenschau-Gelände zwischen Löhne und Bad Oeynhausen.

Dramatische Worte mit vielen Lücken

Die lückenhafte Einleitung dieses Textes hätte von Marcus Jeroch stammen können. Der dürre Wortmächtige ließ in einer flammenden Rede zunächst einen, schließlich sogar fünf Buchstaben konsequent weg, was zwar nicht die Verständlichkeit, dafür aber die Dramatik des Wortvortrages immens steigerte. Wie alle anderen Künstler auch, spielte Jeroch ein knapp halbstündiges Programm, das er insgesamt drei Mal vortrug. Die Gäste auf der Aqua Magica konnten so beim Gang über das Gelände nach und nach alle Auftretenden erleben.

„Dirty Fred“ spielte den 11. September nach

So auch „Dirty Fred“. Der US-Amerikaner bewegte sich hart an den Grenzen des guten Geschmacks und darüber hinaus, als er tatsächlich die Attentate vom 11. September 2001 durch den Komik-Wolf drehte, Zuschauer exerzieren ließ, ein Modellflugzeug ansteckte und schließlich die ganz Falschen beschoss.

Schräges Klavier zu gestrichenem Xylofon

Komische Artistik und Wortspiele hatte hingegen das „Duo Naseweis“ im Angebot. „Gogol & Mäx“ boten besten musikalischen Slapstick. Unglaublich, wie da ein kleines Xylofon mit dem Geigenbogen gespielt wurde, ein Klavier in Schräglage bedient und ein Saxophon während des Balancierens geblasen wurde.

Die Naturbühne war zunächst die Domäne der drei Damen von „Womedy“, die ein dezent komisches Liederprogramm aufführten. Die Lieder entpuppten sich als Schlager mit neuen Texten. Aus ABBAs „SOS“ wurde: „Wenn du mich vermisst, Geliebter, schick mir eine SMS“.

Wieder Klassik zum Schluss

Drei Mal gab es eine besondere Vorstellung des Wasserkraters auf dem Aqua-Magica-Gelände. Die Gruppe „Visual Sound Art“ aus den Niederlanden sorgte im Krater mit Trommelklängen, Wasserpfeifen und Plastikeimern für ein besonderes Klang-Erlebnis.

Beschlossen wurden der Abend auch dieses Jahr wieder vom Emsemble Tedesco. Das Quartett lud an der Naturbühne zu einem nächtlichen Klassik-Konzert ein. Zunächst gab es Leichtes von Mozart, dann Modernes von Albert Roussel und schließlich Erhabenes von Bach.

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