Totensteige: Vor dem Buche wird gewarnt

Manchmal muss vor einem Buch auch gewarnt werden. Kürzlich war mir nach einem neuen Krimi, der nicht auf den Bestsellerlisten steht. In solchen Fällen empfieht sich ein Blick auf krimcouch.de. Dort entschied ich mich für das deutlich empfohlene Buch Totensteige von Christine Lehmann. Es ist bereits die zehnte Folge ihrer Krimi-Reihe um die "Schwaben-Reporterin" Lisa Nerz. Der Plot klang interessant: In einem parapsychologischen Institut wird der Institutsleiter in seinem Büro tot aufgefunden - und zwar in einer Situation, in der der Mörder nicht auf herkömmliche Weise aus dem Raum gelangt sein kann.

Spuk? Teleportation? Lisa Nerz, die den Verblichenen eigentlich nur interviewen sollte, nimmt die Ermittlungen auf. Dabei ist auch ihr Manchmal-Lebenspartner Staatsanwalt Richard Weber und einige andere. Was dann in dem von der Buchbesprechung auf krimicouch.de als Lehmanns bisheriges Opus Magnum gepriesenen Werk passiert, ist heftig.

Zunächst einmal ist das Buch mit mehr als 500 Seiten lang. Zu lang. Um ein Vielfaches. Die Story ist zunächst originell, wird in ihrer Ausgestaltung aber hanebüchen - und ja: langweilig. Wo da überall psi-isiert wird, wie der Boulevard dies hochjazzt, dass dann sogar die Granden dieser Welt mit Schwabenreporterin Lisa Nerz konferieren. Das geht auf keine Kuhhaut.

Überhaupt Lisa Nerz: Erkennbar hat die Autorin versucht, ihrer Protagonistin etwas Modernes, Außergewöhnliches mitzugeben. Das hat sie dann auch im Übermaß getan. Wie die Story ist auch dieser Character total überladen: polyamant, genderspielerisch, unerzogen, spontan und dann wieder ganz traditionell, frech, brutal. Das ist viel zu viel. Zumal Lisa Nerz dabei völlig charakterlos bleibt. Sie ist weder sympathisch noch unsympathisch. Ihr Dackel erscheint da klarer konturiert.

Ich habe mich tapfer durchgekämpft durch diesen Schmöker. Ich habe sogar die 32. unwahrscheinliche Fall-Wendung ertragen, um dann beim irgendwie verkitschten Ende anzukommen. 

Bliebe noch die gewöhnungsbedürftige Erzählweise der Autorin: Das ganze Buch wird im scheinbar lockeren Ich-bin-die-coole-Lisa-Nerz-Tonfall erzählt. Teilweise wird der Leser oder die Leserin sogar direkt angeredet. Die Erzählperspektive und vor allem deren Ausgestaltung erschweren das Verständnis der Handlung ungemein. Vor allem rauben sie jegliche Spannung. Da helfen auch ständige Verweise in Form vom geraunten "Bleiben Sie dran" auf RTL nicht. Wenn mir alle zwei Seiten avisiert wird, dass alles noch viel schlimmer kommen werde, ermüdet dies mit der Weile.

Insgesamt eine enttäuschendes Buch.

Blog-Kategorien: