Dass etwas da ist, heißt noch lange nicht, dass es da ist

Mit den Jahren wird man als Computer-Nutzer ja erfahren. In Eingabeformulare muss ich Informationen eingeben. Das ist doch klar. Oder? Erfahrene Programmier-Freaks sind da wohl anderer Meinung.

In den vergangenen Tagen habe ich mir die Customer-Relationship-Lösung CiviCRM angeschaut und bin davon einigermaßen angetan. Die im Browser und per PHP und MySQL laufende Open-Source-Lösung scheint mir sehr ausgereift zu sein und bietet erstaunlich viele Möglichkeiten, seine Beziehungen zu Einzelpersonen, Organisationen, Familien und Kunden zu verwalten.

Eigentlich ist CiviCRM für die Mitgliederverwaltung und das Spendensammeln von Non-Profit-Organisationen entworfen worden. In diesem Bereich hat es auch seine eindeutigen Stärken. Aber auch für Freiberufler bietet es einige nette Features, um die Beziehungen zu Kunden und Projektpartnern in den Griff zu kriegen. Besonders reizvoll für mich war, dass sich CiviCRM problemfrei in Drupal integrieren lässt-

Da ich auch eine Projektverwaltung suchte, lag es nah, sich das Unterprojekt CiviCase anzuschauen. Das ist zwar auf Fallmanagement ausgelegt, Projekte lassen sich damit prinzipiell aber auch abbilden. Ich habe also die Nutzung von CiviCase ausprobiert.

Die Konfiguration ist alles andere als trivial. Laut Dokumentation sind dabei mehrere XML-Dateien zu bearbeiten oder anzulegen und außerdem die Optionenlisten innerhalb von CiviCRM zu bearbeiten. Letztlich ist das alles aber machbar, und der Nutzer gelangt an den Punkt, seinen ersten Fall anzulegen. In der englischsprachigen - und nur spärlich übersetzten CiviCRM-Terminologie: "Create new case".

Es erscheint eine sinnvoll erscheinenden Einagbemaske, die dazu auffordert, Kontakte zuzuordnen, das Anfangsdatum einzugeben, die aufgewendeten Minuten zu nennen und - nicht zuletzt, und vor allem verpflichtend - eine kurze, einzeilige Beschreibung des Falles zu vergeben.

Das erscheint sinnvoll, gerade um nach dem Fall später zu suchen oder ihn in der Fall-Übersicht identifizieren zu können. Genau so sinnvoll erscheint das Textfeld für eine detailliertere Beschreibung des Falles. Ich habe also entsprechend Fälle angelegt, zwei davon für dieselbe Organisation. Und wunderte mich, dass in der Übersicht keine Kurzbeschreibung auftauchte, diese auch nicht über die Suche zu finden war und - noch merkwürdiger - bei der Bearbeitung des Falles die entsprechenden Felder keinen Inhalt enthielten. Ein Blick direkt in die CiviCRM-Datenbank ergab: Leere Felder.

Ich googlete. Auch hier sollte man über solide Englischkenntnisse verfügen, da die Community für CiviCRM vor allem angelsächsisch ist - was übrigens auch für Drupal gilt. Und dann fand ich den äußerst aufschlussreichen Beitrag Unused field in Civicrm table, in dem ein Eingeweihter davon berichtete, selbstverständlich würden die beiden genannten Felder nicht genutzt. Denn, das ist doch logisch, "Cases are simply containers for relationships ('Case Roles') and interactions ('Activities'). Pretty much all "attributes" of a case are determined during an interaction - and should be recorded as an interaction - including opening and closing a case, changing case type, etc."

Aus definitorischen Gründen werden die Felder also nicht genutzt, weil Fälle halt nur Sammelobjekte für Beziehungen sind. Dass die Eingabefelder überhaupt noch da sind, liege halt daran, dass die Entwickler noch einige Erfahrungsberichte abwarten wollten.

Viele Dinge sind halt nicht so einfach, wie wir denken. Immerhin hat die intensive Auseinandersetzung damit, wieso meine Dateneingaben in diesen Eingabefeldern im CiviNirvana verschwanden, dazu geführt, dass ich das CiviCase-Konzept etwas besser verstanden habe.

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