Fantastisch-vielfältige Klänge der Welt auf der Artisten-Bühne

Dieser Artikel erschien am 28. August 2003 im reporter. Abdruck mit freundlicher Genehmigung

VON ULRICH KLOSE

BAD OEYNHAUSEN. Auf eine fantastische und gleichwohl unerwartete musikalische Weltreise nahm Finn Martin die Besucherinnen und Besucher des Bad Oeynhausen GOP-Varietés am Montag mit. Zum Abschluss des April-Programms hatte das GOP zu einer Spezial-Vorstellung eingeladen. Finn Martin hatte Direktor Ingo Hagemann beim Vertragsabschluss seines April-Engagements angeboten, eine Sondervorstellung mit einem eigenen Programm zu geben. Hagemann ließ sich darauf ein und wurde am Montag für seinen Mut belohnt.

Finn Martin ist ein echter Weltbürger. Gebürtig aus Schweden, lebt er jetzt mit seiner Frau in Paris. Martin spricht fließend deutsch mit französisch-schweizerischem Akzent. Seine Frau stammt aus dem Senegal. In Bad Oeynhausen ist Finn Martin auch von den Parklichtern her bekannt. Dort erklomm er einst Saxophon-spielend das Kurhaus. Die GOP-Bühne verhieß schon beim Eintritt in den Veranstaltungssaal Außergewöhnliches für diese Räumlichkeiten. Aufgebaut war ein auf den Boden gestelltes Keyboard, zwei Percussion-Sets, eine Gitarre und eine Computeranlage.

Mit 20 Minuten Verspätung – die Künstler hätten bis zur letzten Minute geprobt, wusste GOP-Sprecher Thomas Trappmann zu berichten – kamen dann Finn Martin, Gitarrist und Percussionist Loy Wesselburg und Percussionist Knuth Jarxsen auf die Bühne. Martin nahm im Schneidersitz vor seinem Keyboard Platz und los ging eine sympathisch improvisierte Vorstellung, bei der der wirklich versierte Künstler seine eigentlich unbegründete Nervosität nicht verbarg.

Die gebotene Musik zu beschreiben, fällt schwer. Klänge der Welt bestimmten das Repertoire. Arabische und konfuzianische Klänge, australische Musik der Aboriginees, Rhythmen aus dem Senegal, esoterisch-ruhige Kompositionen, Jazz, Funk, Samba und noch einige weitere Einflüsse waren erkennbar. Der Schwede erwies sich als wahrer Multi-Instrumentalist, spielte diverse Flöten, Saxophon, Keyboard und Maultrommel und demonstrierte nicht zuletzt, dass er ein hervorragender Sänger ist.

Immer stimmungsvoll, mal meditativ, mal tanzbar an Vielfalt war der Abend nicht zu überbieten. Dabei beeindruckte Finn Martin weniger durch seine Originalität. Denn für sich genommen, entdeckten die Zuhörenden zahlreiche bekannte Elemente in den Liedern. Besonders Jan Garbarek, aber auch Jasper vant Hof, Klaus Doldinger, Mori Kante, Angelique Kidjo und viele weitere bekannte Künstler ließen grüßen. Spannend war der Mix der verschiedenen Einflüsse.

Ebenso faszinierend war die Vermischung live-gespielter Klänge des Trios mit Playback-Sound aus dem Computer. Immer kamen Teile des Arrangements aus dem Elektronenhirn. Bläsersätze, Hintergrund-Gesang, die Schlagzeug-Begleitung und einiges mehr waren im Vorfeld programmiert worden und harmonierten bestens mit den echten Klängen.

Als Kommunikation unter Freunden verstand der kosmopolitische Künstler sein Konzert. Frieden, Gerechtigkeit, Selbsterkenntnis und vieles mehr waren ihm ein Anliegen. Unter anderem verlas er einen Text zu diesem Thema vom Dalai Lama.

Wer weniger Musik und mehr Varieté erwartet hatte, wurde ebenfalls nicht enttäuscht. Denn außer den Musikern wirkten Boul alias Frederic Zipperlin sowie das Duo Aleko und Olena an der Vorstellung mit. Auch diese Artisten waren Mitwirkende des April-Programms des Kurstadt-Kleinkunst-Theaters.

Boul machte seinem Namen alle Ehre. In eine riesige transparente Kugel eingeschlossen, betrat er die Bühne, und dann jonglierte und balancierte er verschiedene eckenlose Gebilde. Toll war seine Flummi-Jonglage. Die Springbälle katapultierte er mit seinem Mund in die Höhe bis zu fünf auf ein Mal und mit atemberaubender Geschwindigkeit.

Feine Akrobatik lieferten der Ukrainer Aleko und seine Partnerin Olena. Aleko wirbelte einen Stahlgerüst-Würfel durch die Luft, Olena zeigte darin akrobatische Figuren. Ein zweites Mal kam die attraktive Artistin mit einer Kontorsions-Nummer auf die Bühne. Alle Artistik-Darbietungen wurden von Finn Martin improvisatorisch begleitet und fügten sich hervorragend ins Gesamtgeschehen ein.

Vor dem Start des Mai-Programms „Doppelt und einmalig“ am vorigen Mittwoch setzte das GOP mit dieser Spezial-Vorstellung noch ein echtes Glanzlicht. Sonderaufführungen dieser Art sollen immer wieder einmal angeboten werden, war zu erfahren. Lohnend sind sie auch aus einem anderen Grund. Zum Einheitspreis von 13 Euro gibt es freie Platzwahl. Und weil das Bad Oeynhausener Varieté einen guten Ruf in alle Altersklassen hat, erreichen die Künstler ein Publikum, dass so vielfältig ist wie wohl kaum sonst. Die Altersspanne am Montag reichte vom Jugendlichen bis zur über 80-jährigen Dame.

Für jeden Geschmack fand sich etwas in diesem Programm. Selbst als Finn Martin zum Schluss ankündigte: „Jetzt machen wir Lärm!“, und mit seinen Mitstreitern ein furioses Fortissimo-Trommel-Feuer entfachte, war mancher Senior zu beobachten, der vergnügt mit dem Fuß wippte. Insgesamt erschien die von Martin inspirierte Darbietung als organischeres Ganzes als die sonst vom GOP bekannten Nummern-Revuen, die ihren Reiz wiederum aus der Verschiedenartigkeit der Auftritte ziehen.

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