Mit seiner singenden Gitarre bringt Major auch ein kleines Publikum zum Toben

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E-Gitarre, das sind für mich charismatische Rock-Riffs und ausufernde, singende Soli. Gelernt habe ich das vom E-Gitarrenspiel Klaus "Major" Heusers. Der war viele Jahre Gitarrist einer meiner Lieblingsbands aus Jugendzeiten: BAP. Gitarrist und Gruppe haben sich bereits vor 17 Jahren getrennt. "Majors" Gitarren-Klang blieb für mich das Maß aller Dinge. Stehe ich vor einer Bühne und höre ihn spielen, geht es mir gut. Umso schöner, dass er nun wieder ausgiebig auftritt. Nur zwei Tage, nachdem BAP in der Halle Münsterland alte Zeiten beschworen, stattete die Klaus Major Heuser Band dem Jovel-Club einige Meter weiter einen Besuch ab. Ich war selig, umso mehr als es diesmal ein Auftritt in einer idealen Örtlichkeit war. Vor zwei Jahren empfand ich das Ambiente beim Konzert im Hot Jazz Club als sehr ärgerlich. Diesmal erlebte ich ein wunderbares Konzert unter schwierigen Startbedingungen.

CD-Cover "What's up" der Klaus Major Heuser Band

Der Jovel-Club ist wirklich nicht groß. 500 Menschen passen dort hinein. Was denkt eine Band um einen wirklich renommierten, ja sogar berühmten Gitarristen, wenn zur Präsentation ihres aktuellen, bereits dritten Albums "Whats's up" nicht einmal 100 Leute in dem dann doch großen Raum stehen? Angenehm sei das nicht, erzählte Heuser am Ende des Konzertes. Man kenne ja die Zahl der verkauften Tickets (als ich den Saal betrat, wurde etwas von 70 erzählt) und frage sich, wie diese wenigen Menschen sich verhalten würden. Was macht eine Band angesichts dieser enttäuschenden Besucherzahlen? Sie zeigt Ihre ganze Klasse!

Bereits zum zweiten Lied, dem Opener "Catch the wind" aus dem Vorgänger-Album "57", hatte die Band das Publikum voll in ihren Bann gezogen. War Major Heuser vor dem ersten Lied "Lonesome King" noch erkennbar angespannt auf die Bühne gegangen und hatte bemüht die Begrüßung übernommen, spielten sich Gitarrero und Band schnell locker, unterstützt von willigem MItgehen des mittelalten Publikums. Das erste, begeisternde Solo Heusers ließ das Eis schmelzen. Im zweiten Stück wurde noch ein etwas längeres Solo gespielt. Schon tobte der Saal.

Beim Konzert einer Band mit dem "Major" im Namen steht natürlich die E-Gitarre im Vordergrund. Die herausragende Könnerschaft Heusers würde allerdings wenig helfen, würde er nicht von ebenfalls herausragenden Musikern unterstützt. Bassist Sascha Delbrouck, sonst annähernd bewegungslos im Hintergrund seinen Fünf-Saiten-Bass zupfend, und Schlagzeuger Marcus Rieck bekamen ihre ersten Solo-Auftritte beispielsweise bei "No end in sight" aus dem neuen Album. Dabei verwiesen sie deutlich auf ihre Verwurzelung im Jazz.  Da wurde mit komplexen Rhythmen gespielt, eine Phrase nahezu bis zur Unkenntlichkeit zerpflückt, um sie abschließend umso triumphaler wieder zusammenzusetzen. Die Schlagzeuger-Leistung ist kaum hoch genug einzuschätzen. Bei nahezu allen Liedern steuerte er weit mehr als den üblichen Rock-Beat zum Gesamtklang bei. Da wurden beispielsweise auch mal mit dem Jazz-Besen oder der bloßen Hand zwei verschiedene Takte ineinander verwoben. 

Keyboarder Matthias Kraus imponierte bereits zuvor bei der Ballade "My Friend" mit einer Solo-Passage in bester Esbjörn-Svensson-Manier. Die Ballade steht außerdem sinnbildlich für eine der wesentlichen Fähigkeiten Klaus Heusers. Er kann nicht nur eingängige Rock-Kracher erfinden. Darüber hinaus ist er ein Meister der gefühlvollen, scheinbar einfachen Ballade. Er nimmt ein einfaches Thema und baut darauf das Lied auf, ohne Angst vor Pathos werden Töne gehalten und gestaltet.

Über zweieinhalb Stunden lang wurde das Konzert eine richtig gute Party. Den Musikern war anzumerken, dass sie auch Spaß an der Sache hatten. Mittendrin Sänger und Gitarrist Thomas Heinen, der sich mit Klaus "Major" Heuser das Stimmungmachen teilte. Mit dem triumphalen "Make it better" als drittletztem Song erreichte der Auftritt schließlich seinen Höhepunkt. Klaus Heuser setzte zu einem nahezu endlosen Solo an, das er nach dem eigentlichen Song-Ende allein fortsetzte, um das Ganze in einen kleinen Jam mit seinen Kollegen zu überführen. Direkt im Anschluss dann das Titel-Stück des aktuellen Albums, das man bei den ersten Riffs auch leicht für "Rebel yell" halten könnte.

Um die euphorisierten Gemüter zu beruhigen und selig in den Abend zu entlassen, wurde schließlich zum Schluss die zu Herzen gehende Ballade "Last favourite Song" angestimmt. Wieder ein Beispiel dafür, dass Major keine Angst vor nahezu kitschigen Themen hat und diese genussvoll ausarbeitet und zu großen Balladen formt.

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