Ganz großes Kino: Zaz liefert perfekten Paris-Film und spielt ihre eigenen Cover-Versionen

Ausgerechnet ihr bekanntestes Lied war sicher nicht eines der gelungensten des Konzertes: Trotzdem war das Zaz-Konzert am vorigen Mittwoch in der Halle Münsterland ganz wunderbar. Selten habe ich mich auf eine Live-Veranstaltung so gefreut. Zunächst einmal war ich schon länger nicht mehr bei einem Konzert in der Halle Münsterland. Dann ist Zaz eine ganz besondere Künstlerin, deren bisher drei Alben ich sehr gern höre. Vor allem hat es mir ihr aktuelles Werk "Paris" angetan. Diese Sammlung von kritischen, ironischen und verliebten Liedern über Frankreichs Metropole ist einfach zauberhaft. Ich wollte es nur zu gern live sehen.

Meine Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Geboten wurde eine weitgehend perfekte, traumhafte Show. Dieses Video gibt einen ganz guten Einblick in den Münsteraner Auftritt:

Es gab richtig was zu sehen: Die Bühne wurde gleichzeitig zum Filmtheater. Manchmal wurde ein Gaze-Vorhang vor die Bühne gezogen. Darauf wurden verschiedene Szenen projiziert, angefangen mit dem Vorspann zu "Paris sera toujours Paris" (Paris wird immer Paris sein) von Maurice Chevalier. In diesem traurig-bissigen Chanson besteht der Sänger trotzig darauf, dass trotz all der Nächte im Keller (während des zweiten Weltkrieges) Paris sich nicht beugen werde.

Paris war das Thema vieler weiterer Lieder des Abends. Entsprechend bildete das französische Zentrum die Kulisse für die Bühnenshow. Geboten wurde eine cineastische Darbietung. Es wurde viel mit Projektionen von Pariser Panoramen und Straßenzügen gearbeitet - ganz besonders natürlich beim wunderbaren "Dans ma rue" -, in die dann per Beleuchtung einzelne Band-Mitglieder hineingestellt wurden. Manchmal schwebten eine oder mehrere Film-Zaz' über allem. Das war super gemacht. Ganz besonders mochte ich, wie Zaz riesengroß hinter der Kulisse erschien und mit einer Leuchte über die Bühnen-Szene schaute, wo vorn ihr "echtes" Double sang. Auch Comic-Stil wurde gepflegt, beispielsweise bei "La Parisienne", wo im Hintergrund eine Zaz-Strichfigur illustrierte, weswegen sie eben gerade nicht ins Pariser Klischee passt.

Alle eher als Chanson arrangierten Lieder waren traumhaft. Eine sehr gute, leicht jazzige Band mit zwei Wahnsinns-Bläsern bildete das stabile Gerüst für Zaz' rauchige, aber trotzdem perfekt intonierende Stimme. Allerdings merkte man am Ende des knapp zweieinhalbstündigen Auftritts deutlich, dass Zaz' Haupt-Instrument gelitten hatte. Viel länger hätte sie vermutlich nicht mehr durchgehalten. Kein Wunder, leistete sie doch Schwerstarbeit. Und das, obwohl ihr in der glänzend klimatisierten Halle offensichtlich kalt war.

Leichte Schwächen zeigten Band und Sängerin bei den eher poppigen Stücken im Repertoire. An dieser Stelle soll nur "On ira" genannt werden, das in ein noch "hipperes" Korsett gezwängt wurde als auf dem Album "Recto Verso". Oft wechselte der Band-Bassist dann vom Kontrabass an den E-Bass, und es wurde gleich lauter. Leider machte die Lautsprecher-Anlage das nicht wirklich mit. Der Klang vermischte sich zu einem undifferenzierten Brei. Zu den langweiligen Bass- und Gitarren-Riffs steuerten die Musiker Casio-Keyboard-Sound, Scratrching und Samples plus - in diesem Fall - nervende Bläser-Soli bei. Zaz kam dagegen mit ihrer Stimme nicht an. Sie singt zwar perfekt, hat aber im Wesentlichen nur eine Klangfarbe. Die der Rock-Röhre beherrscht sie nicht.

Als weitere Enttäuschung empfand ich ausgerechnet "Je veux", mit dem Zaz auch in Deutschland bekannt wurde. In dem "Nouvelle chanson" geht es darum, dass Geld nicht wichtig ist und im Leben der Chanteuse Liebe, Freude und gute Stimmung eine viel größere Rolle spielen als Chanel-Kostüme, Limousinen und Villen mit Personal. Dieses Lied musste jetzt dafür herhalten, Zaz in einen veritablen Shitstorm zu ziehen, weil sie einen Privat-Auftritt für die deutsche Allianz-Versicherung absolvierte. Für die halbe Stunde Konzert erhielt sie wohl 40000 Euro. 

"Je veux" ist in der Studio-Version ein gar nicht so imposant, dafür aber rhythmisch exakt instrumentiertes Lied. In Münster - und wohl auch auf der ganzen Tour - klingt Zaz nun wie ihre eigene Top-40-Band. Das Lied wird im schnellen Rhythmus sehr tanzbar heruntergespielt. Weder Zaz noch der Rest der Musiker wirken dabei besonders motiviert; sie spielen halt irgendeinen Hit, der wohl sein muss. Natürlich wird ein großer Mitsing-Part eingebaut. Das war es aber auch schon. Ähnlich wie hier in Ostrawa klang es auch in Münster:

Diese leichten Schwächen trübten den Gesamt-Eindruck des Konzert keineswegs. Es war wirklich ein Erlebnis. Etwas schade war, dass ich zwar durchaus die meisten Texte einigermaßen verstand. Zum Mitsingen im bisweilen atemberaubenden Zaz-Tempo reichte es trotzdem nicht, auch wenn die quirlige Sängerin das Publikum immer wieder dazu aufforderte. Wegen der Sprachbarriere (und manchmal auch des Gaze-Vorhangs) gestaltete sich die Kommunikation zwischen Künstlerin und Zuhörenden etwas schwieriger.

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