Lieber #ratms,

zunächst mal: Ich darf Dich doch #ratms nennen? Dein Twitter-Spitzname ist so hübsch.

Wie fühlst Du dich eigentlich? Bist Du glücklich mit Deiner Situation? Einmal im Monat wird es bei Dir voll. Dann sitzen alle Ratsmitglieder stundenlang auf Deinen Polstern herum und tun ganz wichtig.

Verstehst Du eigentlich selbst, was sie da reden? Dieses "Vorlage"-Gemurmel? Oder wenn von der linken Seite gebeten wird: "Ich bitte, vom zweiten Absatz des Änderungsantrages der XY-Fraktion den ersten Satz einzeln sowie den zweiten gemeinsam mit dem dritten Satz abstimmen zu lassen"?

Freust Du dich über den Besuch? Gut, die Besucherinnen und Besucher müssen ganz hinten sitzen und dürfen ansonsten auch nicht mit Dir reden. Dabei bezahlen sie Dich doch mit. Und bist Du traurig, wenn die Besucher mitten in der Sitzung wieder verschwinden? Oder verstehst Du, dass sie vielleicht nach drei Stunden nach Hause zu Frau, Kind oder Haustier müssen, obwohl die Tagesordnung noch nicht mal halb durch ist? Du kannst Ihnen ja auch nicht helfen, wenn sie wegen eines bestimmten Tagesordnungspunktes gekommen sind und dann erschrocken feststellen, dass der erst nach vier oder mehr Stunden dran käme. Oder dass er plötzlich gar nicht diskutiert wird.

Dabei hast Du bestimmt den Ratsmitgliedern mehr als einmal ins Gewissen geredet und Deine Hilfe angeboten. Du wärest doch da. Die könnten doch öfter tagen. Denn Gastfreundschaft sieht anders aus: Man lässt Besucher nicht einfach stundenlang rumsitzen, ohne sich um sie zu kümmern. Dir ist das als Gastgeber ein bisschen peinlich. Aber sie wollen partout diese Mega-Sitzungen, weil sie wahrscheinlich danach das Gefühl haben, jetzt mal so richtig was geleistet zu haben.

Du machst Dich jedesmal fein und wischst extra noch mal feucht durch, bevor die Ratsmitglieder kommen. Und was machen die? Sie lümmeln in den Sesseln herum, krümeln mit Keksen und Schokolade, unterhalten sich, achten gar nicht auf Dich und Deine Schönheit. Manche gehen sogar einfach raus, wie es ihnen passt.

Die Krönung war dann, als auf der rechten Seite einfach Fußball auf den iPads und iPhones geguckt wurde, obwohl Du noch gar nicht fertig warst. Da musstest Du weinen.

Ich habe es genau gesehen: Du hast doch darüber nachgedacht, wie Du dich dafür das nächste Mal rächen kannst.

Vielleicht schaffst Du es ja, sie zu ändern. Das wünsche ich Dir. Denn ich mag Dich. Und wir brauchen Dich!
Dein Ulrich

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