Wenn es vor Silvester knallt, kann das auch ein Jäger sein

Wildgehege an der Burg Hülshoff bei Havixbeck

Gestern wurde die herbstwinterliche Regenzeit endlich durch knackig-kaltes, sonniges Winterwetter abgelöst. Ich schnappte mir den Hund und unternahm einen etwas längerem Spaziergang zur Burg Hülshoff. Solche Kurzwanderungen sind schön. Burg Hülshoff mit ihrem angeschlossenen Wildgehege ist ein immer wieder angenehmer Anblick; auf dem Weg von Roxel dorthin geht es unter anderem durch eine hübsche, alte Allee. Auf einigen Passagen des Weges kann meine mittlerweile ältere, ruhigere und nicht mehr jagende Hündin frei laufen, was sie besonders toll findet - und was auch ihrem Menschen gefällt. In den kommenden Tagen - genauer: seit heute - wird sich Coras Freilauf sehr einschränken. Denn wir sind in die Phase eingetreten, in der sich wieder zeigt, dass es einen umgekehrt proportionalen Zusammenhang zwischen der Zahl der Böller im Einkaufswagen und der Hirngröße des Käufers gibt. Mit anderen Worten: Hirnlose Idioten werden in den nächsten Tagen wieder exzessiv herumballern und Haus- und Wildtiere verschrecken. Gestern durfte ich hingegen noch mit weitgehender Ruhe rechnen.

Dann kam ich an einem Nebenerwerbshof im Roxeler Außenbereich vorbei und erlebte, dass es auch anderweitig knallen kann. Dort wohnt ein Jäger, der seine geschossenen Stücke über Nacht auch schon mal auf der Wiese direkt an der Straße ausbreitet. Ich näherte mich, sah diesen Herrn auf das gegenüberliegende Feld laufen und irgendetwas im Feldgraben richten. Als ich das Haus passierte, standen er und ein weiterer Mann direkt am Gebäude und ließen sich durch das Fenster etwas reichen. Ich ging mit angeleintem Hund vorbei. Keine 50 Meter weiter knallte es plötzlich mehrmals ohrenbetäubend. Ich schaute zurück und sah, dass der jagende Hausherr seine Jagdflinte im Anschlag hatte und am Wohnhaus stehend über die Straße hinweg in Richtung des erwähnten Grabens schoss. Mein Hund hatte sich natürlich mächtig erschrocken und wollte nur noch weg.

Für mich ist das ein Vorfall mehr, der mir zeigt, dass Waffen nicht in Wohnhäuser zu Privatleuten gehören. Auch Jäger gehen damit offenbar nicht immer verantwortungsvoll um. Selbst wenn diese Ballerei worauf auch immer legal gewesen sein sollte, war sie doch rücksichtslos.Wäre mein Hund frei gelaufen und mir wegen der Knallerei abgehauen, hätte irgendein Jäger ihn übrigens unter gewissen Voraussetzungen abschießen dürfen.

Blick auf Burg Hülshoff bei Havixbeck Feld an der Havixbecker Straße bei Roxel

Allerdings sollen diese Voraussetzungen in Nordrhein-Westfalen durch das neue Landesjagdgesetz enger gefasst werden. Dieses neue Gesetz hat die Loden-Fraktion auf die Barrikaden getrieben. Der wesentliche Grund dafür dürfte darin liegen, dass es von einem grünen Umweltminister vorbereitet wurde und das Wort "ökologisch" im Namen trägt: Ökologisches Jagdgesetz. Ich hatte im Frühjahr das Vergnügen, bei der hiesigen Kreisjägerschaft eine Versammlung zu besuchen, in der ein CDU-Politiker im Verein mit dem Jäger-Vorsitzenden gegen das Gesetz hetzte, für das es damals noch nicht mal einen konkreten Entwurf gab. Inhaltlich beschränkte sich die Kritik darauf, dass es von den Grünen kam und auch Umweltverbände an der Formulierung beteiligt waren. Still dachte ich damals bei mir: Ein Gesetz, das so undifferenzierte Widerstände bei der Jagd-Lobby erzeugt, trifft offenbar wichtige und richtige Punkte.

Mittlerweile ist der Entwurf durch das NRW-Kabinett gebilligt, und die Jäger gehen steil. Der Landesjagdverband hat seine Forderungen in zwölf Punkte gefasst. Das NRW-Umweltministerium hat wiederum eine FAQ zum Jagdgesetz als PDF-Dokument erstellt. Öffentlich transportiert wurde vor allem der von den Jägern als skandalös empfundene Fakt, dass sie künftig keine Katzen mehr schießen dürfen. Begründung des Ministeriums: Katzen halten sich meist in der Nähe von Wohngebieten auf und jagen nur Tiere, für deren Hege Jäger nicht zuständig sind. Die Jäger sehen aber den Untergang des Abendlandes voraus, wenn sie nicht weiter Haus-Samtpfoten erlegen dürfen. Ich selbst fände ja ein Engagement der Jägerschaft für eine Katzen-Kastrationspflicht und für die Kastration verwilderter Katzen sinnvoll.

Aus den Jäger-Positionen lassen sich weitere Einwände ablesen. Ich nenne nur einige: Punkt 4: "Tierschutzgerechte Hundesausbildung beibehalten" besagt, dass Jäger ihre Hunde in der Ausbildung weiter auf Enten hetzen können wollen, deren Flügel fixiert wurden. Die Vögel können also nicht wegfliegen. Punkt 10: "Fangjagd als angewandten Naturschutz sichern" heißt, dass sie weiter Totschlagfallen nutzen wollen. Lebend-Fallen bleiben gestattet. Punkt 7: "Katalog der Tierarten im Jagdrecht umfassend erhalten" wendet sich dagegen, dass beispielsweise Luchse, Wildkatzen, Graureiher und Greifvögel künftig nicht mehr gejagt werden dürfen. Und Punkt 6: "Zerstückelung von Jagdrevieren unterbinden" ist wohl nicht damit einverstanden, dass künftig die Rechte von Grundstücksbesitzern ausgeweitet werden, Jägern das Jagen auf ihren Flächen zu verbieten. Bisang dürfen die grün gewandeten Waffenträger nämlich zur Erfüllung ihrer Aufgabe auf fremden Grund eindringen.

Insgesamt scheint mir dieses Völkchen jedenfalls etwas merkwürdig zu sein. Das wurde mir durch das gestrige Erlebnis mal wieder deutlich.

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