Fast ein Aufruf, nicht wählen zu gehen

Das könnte jetzt ein Aufruf werden, nicht wählen zu gehen. Wird es aber nicht. Ich werde wählen und fände es gut, wenn Ihr das auch tut.

Trotzdem: Je näher die Wahl rückt, umso mehr lesen wir in den sozialen Medien wohlmeinende Aufrufe, sich an der Wahl zu beteiligen, weil Nichtwahl damit gleichzusetzen sei, nichts gegen den Einzug der Faschisten in den Bundestag zu unternehmen. Gern wird dieses Meme auch variiert mit: Bloß nicht die "Spaßpartei" (gemeint ist DIE PARTEI) wählen, weil das in ernsten Zeiten der drohenden faschistischen Gefahr die Rechten stärke.

Solche Statements sind - bei allem Respekt - Bullshit! Um es klar zu sagen: Nicht zu wählen ist ein demokratisches Recht! Es geht andere Menschen einen feuchten Kehricht an, was Ihr wählt oder ob Ihr nicht wählt.

Wer nicht wählt, wählt nicht. Nicht mehr und nicht weniger. Prozentanteile werden aus den abgegebenen Stimmen bei einer Wahl ermittelt (und zwar nur aus denen mit richtig gesetzten Kreuzen, nicht aus leeren oder ungültigen Wahlzetteln). Wähle ich nicht, wird es die SPD nach wie vor schwer haben, über 20 Prozent zu kommen. Gleichermaßen werden die Faschisten wohl in den Bundestag einziehen. Das haben nämlich die entschieden, die ihre Stimme abgegeben haben.

Was allerdings passiert, ist, dass die einzelne Stimme der Wahlteilnehmenden mehr Gewicht bekommt, wenn der Anteil der Nichtwähler groß ist. Denn man braucht beispielsweise absolut 150 Stimmen, um bei einer Grundgesamtheit von 500 30 Prozent zu erreichen. Nehmen 1000 Menschen an einer Wahl teil, müssen mich bereits 300 Menschen wählen, damit ich 30 Prozent bekomme.

Mit der Nichtwahl macht Ihr es also streng genommen den Parteien, die letztlich ins Parlament einziehen, leichter, ihre Stimmenanteile zu steigern - und zwar allen, nicht nur den Faschisten.

Und wenn Ihr die "Spaßpartei" wählt? Dann macht Ihr es allen Parteien schwerer, hohe Stimmanteile zu erzielen. Denn dann zählt Eure Stimme. Damit schadet Ihr den Faschisten dann tatsächlich ein kleines bisschen - und jeder anderen Partei, die Ihr nicht gewählt habt, auch. Es gibt also keinen Grund, Euch diese Wahl vorzuwerfen, wenn Ihr selbst Euer Abstimmverhalten verantworten könnt.

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