Buddenbrooks als Film - Tony mal ganz anders

"Zwischen den Jahren" zeigte die ARD im ersten Programm Heinrich Breloers Verfilmung von Thomas Manns "Buddenbrooks". Eine ausführliche Kritik spare ich mir. Ich fand den Film toll und habe es sehr genossen, dass die ARD-Mediathek wenigstens eine Woche lang ihr Programm anbieten darf. Ich habe die beiden Teile des Films nämlich am Computer geschaut, weil die Sendetermine anderweitig verplant gewesen waren.

Ein Aspekt des Films hat mich fasziniert. Damit meine ich nicht, dass Heinrich Breloer als ausgewiesener Thomas-Mann-Experte quasi im Schweinsgalopp durch den kompletten Roman sausen musste, der ja nichts anderes als den Zerfall einer Familie über vier Generationen schildert. Das war - und musste es sein - ein aussichtsloses Unterfangen. Stattdessen hat mich die Darstellung der Tony Buddenbrook erstaunt.

Diese wurde dargestellt von Jessica Schwarz - eine tolle Schauspielerin, die der Tony ihre ganz eigene Note verlieh. Auch im Roman ist sie die Figur, an deren Geschichte entlang der Handlungsstrang verläuft. Sie startet als verwöhnter Wildfang, der seine Freiheit einbüßen muss und durch ihren Vater Jean Buddenbrook in eine Ehe mit Heiratsschwindler Bendix Grünlich gezwungen wird. Nach dem Scheitern dieser Ehe unternimmt sie einen zweiten Versuch mit dem bayerischen Herrn Permaneder - auch wieder erfolglos.

Thomas Mann stellt die Tony in seinem Roman als zunehmend weltfremde, bornierte und durchaus auch beschränkte Frau dar. Zunächst als der sympathische Wildfang erscheinend, wird sie über ihre gescheiterten Ehen hinweg eher altklug und versucht die Stelle ihrer Mutter Betsy einzunehmen, ohne jemals deren Klasse zu erreichen. So erscheint mit diese Figur bei Thomas Mann.

Heinrich Breloer hat seine Tony hingegen "glattgebügelt". Sie bleibt sympathisch und wird zunehmend farbloser. Böse oder zumindest über die Maßen borniert scheint die Film-Tony nicht zu sein. Sicher, in drei Stunden Film muss gestrafft werden, es müssen auch Geschichten teilweise umgeschrieben werden. So werden Tonys Kinder beispielsweise völlig ausgespart, wie mir scheint.

Was der Regisseur mit dieser Darstellung bezweckt hat, weiß ich nicht. Ich bin mir auch nach wie vor unsicher, wie ich es finde. Auf jeden Fall aber - interessant.

Blog-Kategorien: