Harzer Grenzweg in drei Etappen: die Unterkünfte

Blutwurst! Nachdem ich von Zorge aus durchs wunderschöne Kunzental wieder auf den Harzer Grenzweg gestiegen und bereits einige Zeit bis zu einem Ausichtspunkt auf Sülzhayn gelaufen war, packte ich das Lunchpaket aus, das in meiner Unterkunft für mich vorbereitet worden war. Zwei belegte Brötchen erwarteten mich. Ich wickelte eines aus der Alufolie und sah: Blutwurst! Vielerlei Beläge hätte ich erwartet. Dieser gehörte nicht dazu. Blutwurst gehört zu den eher gewöhnungsbedürftigen Fleischprodukten. Ich hatte bis dato bestimmt 30 Jahre keine mehr gegessen. Man hätte ja vorher mal fragen können. Auf dem Brötchen befanden sich außerdem noch Gurken, Salatblätter und - so glaube ich - Remoulade. Das erleichterte das mutige Verschlingen der Pausen-Stärkung.

Das idyllische, aber tote Örtchen Zorge im Harz war das zweite Etappen-Ziel meiner Harz-Wanderung und würde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht über Einkaufsmöglichkeiten verfügen. Da ich mit Rucksack von Ort zu Ort unterwegs war, stellte sich am vorhergenden Etappen-Ziel Braunlage die Frage der Bevorratung für die dritte Etappe ab Zorge. Der Anruf in der Pension in Zorge wirkte sich dann schonend aufs Rucksack-Gewicht für die Etappe Braunlage - Zorge aus.

Wandschmuck im Hotel Nitzschke in Braunlage
Wandschmuck im Hotel Nitzschke in Braunlage

Günstige Zimmer waren kurzfristig buchbar

Meine Unterkünfte - Pensionszimmer mit Frühstück in diesem Fall - hatte ich nur wenige Wochen vorher über den Hotelbuchungsservice meines Vertrauens von zu Hause aus reserviert. Der Harz ist selbst in den Sommerferien offenbar nicht so überlaufen, dass Spontanurlauber dort nicht noch günstig unterkämen. Folgende Pensionen buchte ich:

Alle Bed-and-Breakfast-Einzelzimmer kosteten zwischen 35 und 45 Euro. Großer Luxus ist in dieser Preisklasse nicht zu erwarten. Stattdessen stellte ich mich auf soliden Charme der 70er und 80er Jahre ein. So kam es dann auch. Gleichwohl stellte ich überrascht fest, dass sich im zwischenzeitlich offenbar sanft entschlafenen Tourismus im Harz etwas tut. Denn alle vier Beherbergungsbetriebe, die ich aufsuchte, werden von vergleichsweise jungen Betreiberinnen und Betreibern geführt. Sie haben jeweils alteingesessene, vermutlich nicht allzu rentable Traditionsbetriebe mit neuen Ideen übernommen.

Wer durch die Orte des Harzes streift, merkt schnell: Prosperierende Kommunen sehen anders aus. Das Wachstum der Städte und Dörfer im ehemals westdeutschen Harz scheint mit dem Mauerfall zum Erliegen gekommen zu sein. Überall Leerstände, verfallende Häuser, günstige Immobilienpreise. Das alles gleichwohl in landschaftlich und touristisch attrakiver Lage, bietet der Harz doch viel für Wanderer, (Mountain-)Biker, Skifahrer, Kurgäste und Familienurlaube. Insofern haben sich für einige zum Verkauf stehende Pensionen jüngere Käuferinnen und Käufer gefunden, die an ihre Chance mit einem speziellen Konzept glauben.

Zorge: idyllisch gelegen, aber auf dem absteigenden Ast

Zorge: idyllisch gelegen, aber auf dem absteigenden Ast

Junge Betreiber haben neue Ideen für Traditionsbetriebe

Das Hotel/Café Wolfsbach richtet sich beispielsweise betont auf Wanderer und Mountainbiker ein und will als Gastronomie- und Veranstaltungsort darüber hinaus auch für Nicht-Übernachtungsgäste attraktiv werden. Erst seit Oktober vorigen Jahres betreiben Ines Pinnow und ihr Mann das Haus und modernisieren es nach und nach. Von der Vorgänger-Betreiberfamilie Wagner übernahmen sie leicht betagte, aber top-gepflegte Zimmer. Insofern wird zuallererst das große Außengelände in Schuss gebracht. Eine Grillhütte steht bereits. Als ich dort war, war gerade die Sauna-Hütte errichtet worden. Diese Einrichtungen sollen später auch für Feiern und Events nutzbar werden. Ansonsten gibt es eine öffentliche Gaststube mit kleiner Karte und viel persönliche Ansprache. Der Gast fühlt sich einfach wohl. Das Engagement des Ehepaares ist beachtlich, zumal Ines Pinnow weiterhin ihrem Beruf nachgeht und nicht jeden Tag mithelfen kann.

Es sei eine Herausforderung, die passende Marktnische für sich zu finden, erzählte mir die Neu-Pensionswirtin im Gespräch. Als begeisterte Mountain-Biker hätten sie und ihr Mann vorgehabt, einen Beherbergungsbetrieb im Harz zu übernehmen. In den Orten sei die Lage schwierig, weil alte Stammgast-Gruppen weggebrochen seien. Viele leerstehende Immobilien würden durch Niederländer übernommen und zu persönlichen Ferienhäusern umfunktioniert, die nur wenige Wochen im Jahr bewohnt würden. Deshalb richte man sich an sportlich orientierte Gäste, die man mit persönlicher Ansprache, Geselligkeit in der Gaststube, gutem Essen und einigem mehr überzeugen wolle, und hoffe vor allem auf Gruppen, die auch mal mehrere Tage blieben. Das sei wirtschaftlicher als ein Einzel-Gast, der ein Zimmer nur für eine Nacht belege.

Auf die bereits erwähnten Niederländerinnen und Niederländer traf ich tatsächlich in Bad Harzburg und Bad Sachsa. Denn beide Pensionen werden von Niederländern betrieben. Bart Steenbergen im Kammerkrug setzt ganz auf den urigen Charme des mehr als 250 Jahre alten Gebäudes. Die Zimmer sind schlicht und sehr einfach eingerichtet. Ich hatte nicht mal einen Tisch im Zimmer, das Bad war über den Flur, Schrank- und Zimmertüren quietschten, das Fenster ließ sich nicht richtig kippen. Dafür gab es ein wunderbar üppiges Frühstück im ehemaligen Gastraum, das mit Classic Rock beschallt wurde. Plakate von Jumi Hendrix und anderen Rock-Größen sorgten für ein Ambiente, in dem ich mich sehr wohl fühlte.

Herzlichkeit und eine Theke im Frühstücksraum

Leeres Glas Bier nach einer schönen Wanderung nach Bad SachsaLockerheit, Herzlichkeit und Flexibilität: Damit punkten Harm und Christel Douma, die seit 2012  "Gelpke's Mühle" in Bad Sachsa betreiben. Meine Online-Reservierung ist unauffindbar? Keine Panik! Eigentlich kämen Reservierungen des von mir genutzten Dienstes per Fax, diesmal aber per E-Mail, erklärte mir Harm. Das Besondere an Gelpke's Mühle? Auf den ersten Blick ist das die Theke mit Zapfanlage im Frühstücksraum. Hausgäste können sich von Harm ein gepflegtes Pils zapfen lassen und sich damit bei passendem Wetter nach draußen setzen. Die Wirte kommen gern auf einen Plausch dazu, wie sie sich überhaupt sehr um die Gäste bemühen. Nur in Bad Sachsa hätte ich die Möglichkeit gehabt, früher als acht Uhr zu frühstücken. 

Auch in diesem Betrieb haben die Zimmer bereits einige Jahre auf dem Buckel. Sie sind aber sehr geräumig und super gepflegt. Neben Wanderern und Radfahrern hat das niederländische Ehepaar mit seinem Betrieb auch Wohlfühl-Gäste im Blick. Mit einem benachbarten Wellness-Hotel gibt es eine Kooperation. Übernachtet wird kostengünstig in der Mühle, sich wohlgefühlt im edlen Ambiente des Hotels. Auf ähnliche Art und Weise wird mit Restaurants zusammengearbeitet, um den Gästen Halb- oder sogar Vollpension zu bieten.

Am traditionellsten wirkte von außen und innen am ehesten das Hotel Nitzschke in Braunlage. So stelle ich mir eine Pension der 70er Jahre vor. Das Haus ist totzdem sehr gut in Schuss gehalten worden. Auch hier gibt es mit Thorben Schmidt einen jungen Betreiber, der offenbar noch auf einen Kreis von älteren Stammgästen bauen kann und darüber hinaus natürlich die sportliche Kundschaft anspricht, die Braunlage wegen der Mountain-Bike-Attraktionen und des Skigebietes am Wurmberg aufsuchen.

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