15
Feb

Ganz großes Kino: Zaz liefert perfekten Paris-Film und spielt ihre eigenen Cover-Versionen

Ausgerechnet ihr bekanntestes Lied war sicher nicht eines der gelungensten des Konzertes: Trotzdem war das Zaz-Konzert am vorigen Mittwoch in der Halle Münsterland ganz wunderbar. Selten habe ich mich auf eine Live-Veranstaltung so gefreut. Zunächst einmal war ich schon länger nicht mehr bei einem Konzert in der Halle Münsterland. Dann ist Zaz eine ganz besondere Künstlerin, deren bisher drei Alben ich sehr gern höre. Vor allem hat es mir ihr aktuelles Werk "Paris" angetan. Diese Sammlung von kritischen, ironischen und verliebten Liedern über Frankreichs Metropole ist einfach zauberhaft. Ich wollte es nur zu gern live sehen.

Meine Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Geboten wurde eine weitgehend perfekte, traumhafte Show. Dieses Video gibt einen ganz guten Einblick in den Münsteraner Auftritt:

Es gab richtig was zu sehen: Die Bühne wurde gleichzeitig zum Filmtheater. Manchmal wurde ein Gaze-Vorhang vor die Bühne gezogen. Darauf wurden verschiedene Szenen projiziert, angefangen mit dem Vorspann zu "Paris sera toujours Paris" (Paris wird immer Paris sein) von Maurice Chevalier. In diesem traurig-bissigen Chanson besteht der Sänger trotzig darauf, dass trotz all der Nächte im Keller (während des zweiten Weltkrieges) Paris sich nicht beugen werde.

Paris war das Thema vieler weiterer Lieder des Abends. Entsprechend bildete das französische Zentrum die Kulisse für die Bühnenshow. Geboten wurde eine cineastische Darbietung. Es wurde viel mit Projektionen von Pariser Panoramen und Straßenzügen gearbeitet - ganz besonders natürlich beim wunderbaren "Dans ma rue" -, in die dann per Beleuchtung einzelne Band-Mitglieder hineingestellt wurden. Manchmal schwebten eine oder mehrere Film-Zaz' über allem. Das war super gemacht. Ganz besonders mochte ich, wie Zaz riesengroß hinter der Kulisse erschien und mit einer Leuchte über die Bühnen-Szene schaute, wo vorn ihr "echtes" Double sang. Auch Comic-Stil wurde gepflegt, beispielsweise bei "La Parisienne", wo im Hintergrund eine Zaz-Strichfigur illustrierte, weswegen sie eben gerade nicht ins Pariser Klischee passt.

Alle eher als Chanson arrangierten Lieder waren traumhaft. Eine sehr gute, leicht jazzige Band mit zwei Wahnsinns-Bläsern bildete das stabile Gerüst für Zaz' rauchige, aber trotzdem perfekt intonierende Stimme. Allerdings merkte man am Ende des knapp zweieinhalbstündigen Auftritts deutlich, dass Zaz' Haupt-Instrument gelitten hatte. Viel länger hätte sie vermutlich nicht mehr durchgehalten. Kein Wunder, leistete sie doch Schwerstarbeit. Und das, obwohl ihr in der glänzend klimatisierten Halle offensichtlich kalt war.

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18
Okt

Ein feiger Anschlag auf die Demokratie?

Gestern wurden in Köln die Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker und vier weitere Menschen bei einem Angriff durch einen voll zurechnungsfähigen Nazi zum Teil schwer verletzt.

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12
Okt

Biographie von Keith Richards gelesen. Ja und?

Lange Autofahrten werden für mich erst schön durch Hörbücher, die mir Kilometer um Kilometer das Fahren auf der Autobahn versüßen. Für die kürzlich anstehende Anfahrt zu einer Messe fiel meine Wahl auf die Autobiographie "Life" von Keith Richards. Der Mann ist ein Gitarren-Gott, seine Riffs haben mehrere Generationen Rock-Musik beeinflusst, dass sein Leben überhaupt noch andauert, ist angesichts seines Drogenkonsums ein kleines Wunder. Dass das Hörbuch, eine gekürzte Fassung, von NDW-Urgestein Stephan Remmler gelesen wird, versprach Spannung. Und nicht zuletzt: "Nach Bob Dylans Biografie ist Richards Buch wahrscheinlich die beste Rock-Memoire, die je geschrieben wurde." So zitiert die Website des deutschen Rolling Stone den Chefredakteur der US-Ausgabe.

Nun, Bob Dylans "Chronicles, Vol. 1" habe ich auch gehört - gelesen von "Südstadt-Dylan" Wolfgang Niedecken. Die Autofahrt ist absolviert. Das Buch ausgehört. Zurück bleibt ein leeres Gefühl. Die vielen guten Kritiken - wie etwa diese -, die "Life" bekam, kann ich nicht nachvollziehen. Ein Grund dafür mögen arg rabiate Kürzungseingriffe in den Erzählverlauf sein. Geboten wird dem Zuhörenden ein wirres Potpourri von Szenen aus Keith Richards' Leben. Erzählt wird in einfachen, schnörkellosen Sätzen, die in der Tat gut mit Stephan Remmlers lakonischer Lese-Art harmonieren.

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