Buchkritik

5
Mär

Mal wieder ausgiebig gelesen: zwei Buchvorstellungen

In der vergangenen Woche schlug ich mich mit einer Erkältung herum und verbrachte deswegen nach der Arbeit mehr Zeit auf dem Sofa als gewöhnlich. Zeit, um endlich mal wieder ausgiebig zu lesen. Zwei noch mehr oder weniger leidlich aktuelle Bücher versüßten mir die lästige Schnupfen-Abschüttel-Phase: Nora Bossongs "Rotlicht" und "Das Ende von Eddy" von Edouard Louis. Weil beide Werke wirklich empfehlenswert sind, möchte ich sie Euch an dieser Stelle in aller Kürze ans Herz legen:

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12
Okt

Biographie von Keith Richards gelesen. Ja und?

Lange Autofahrten werden für mich erst schön durch Hörbücher, die mir Kilometer um Kilometer das Fahren auf der Autobahn versüßen. Für die kürzlich anstehende Anfahrt zu einer Messe fiel meine Wahl auf die Autobiographie "Life" von Keith Richards. Der Mann ist ein Gitarren-Gott, seine Riffs haben mehrere Generationen Rock-Musik beeinflusst, dass sein Leben überhaupt noch andauert, ist angesichts seines Drogenkonsums ein kleines Wunder. Dass das Hörbuch, eine gekürzte Fassung, von NDW-Urgestein Stephan Remmler gelesen wird, versprach Spannung. Und nicht zuletzt: "Nach Bob Dylans Biografie ist Richards Buch wahrscheinlich die beste Rock-Memoire, die je geschrieben wurde." So zitiert die Website des deutschen Rolling Stone den Chefredakteur der US-Ausgabe.

Nun, Bob Dylans "Chronicles, Vol. 1" habe ich auch gehört - gelesen von "Südstadt-Dylan" Wolfgang Niedecken. Die Autofahrt ist absolviert. Das Buch ausgehört. Zurück bleibt ein leeres Gefühl. Die vielen guten Kritiken - wie etwa diese -, die "Life" bekam, kann ich nicht nachvollziehen. Ein Grund dafür mögen arg rabiate Kürzungseingriffe in den Erzählverlauf sein. Geboten wird dem Zuhörenden ein wirres Potpourri von Szenen aus Keith Richards' Leben. Erzählt wird in einfachen, schnörkellosen Sätzen, die in der Tat gut mit Stephan Remmlers lakonischer Lese-Art harmonieren.

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23
Sep

Klick mich, if you can stand it

tl;dr

Julia Schramms Buch "Klick mich" ist schlecht geschrieben. Erschreckender ist aber die darin geäußerte Haltung zu Individuum und Gesellschaft. Moderne, Politik und gesellschaftliches Engagement werden darin zur belanglosen Selbstbespiegelung.

Mit diesem hyper-, die Autorin würde sagen: "metamodernen", Kürzel plus der folgenden Zusammenfassung sind wir bereits mitten im Thema - und haben dem Buch Klick mich: Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin von Julia Schramm sogar die Reverenz erwiesen. Gut: früher nannte man so etwas Zusammenfassung, Anriss oder Vorspann, und es wurde bei jedem längeren Zeitungsbericht verwendet, aber Schramm erweckt in ihrem trendigen, schmalen Buch den Eindruck, alles sei neu und werde zum ersten Mal von der Gesellschaft erlebt.

Ein gewisser Gruselfaktor war dabei, als ich das eBook dieser Veröffentlichung kaufte - ganz legal beim Online-Buchhändler des Vertrauens. Dass es nicht literaturnobelpreisverdächtig sei, ließ sich spätestens nach der vernichtenden Kritik von Ole Reißmann auf Spiegel Online erahnen. Nachdem ich auch nirgendwo anders eine gute Kritik fand, musste ich mich doch selbst überzeugen. Und ich habe jede Seite gelesen. Es war hart! Die Kritikerinnen und Kritiker hatten nicht zu viel versprochen. Immer wieder musste ich aufpassen, nicht in großflächiges Querlesen zu verfallen. Denn alles, was Schramm schreibt, ist - so belanglos.

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