Blues

1
Dez

Elf mal echter Major auf "57"

Vermutlich ist es eher unüblich, eine CD zu empfehlen, die auf einem enttäuschenden Konzert gekauft wurde. Genau dies soll hier versucht werden. Denn der Tonträger "57" der Klaus Major Heuser Band ist eine Sammlung wunderschöner Mainstream-Rock-Musik - nicht überbordend originell, dafür aber geerdet, hochprofessionell und mitreißend.

Major Heuser? Genau: Das ist der unschlagbare Gitarrist, der einst einer von mir nach wie vor überaus geschätzten Kölner Mundart-Band ihr musikalisches Gesicht verpasste. Schon seit mehr als 15 Jahren ist er dort ausgestiegen und backt seitdem erfolgsmäßig kleinere Brötchen. Ganz klein wurde es dann am vergangenen Samstag im Hot Jazz Club in Münster. Das Konzert in dem Jazzkeller war ein einziges Ärgernis - was nicht am Major lag, sondern an der für diesen Anlass komplett ungeeigneten Örtlichkeit. Es war sehr voll, was ja nicht schlecht sein muss, dafür war aber die Musik zu leise. Das Publikum - die Fraktion der grauen Mitfünfziger mit über die Schulter geworfenen Strickpullis war in der Mehrheit - schien sich neben der Musik mehrheitlich für Privatgespräche zu interessieren. Die Theke war während der Darbietung geöffnet, das Team verursachte reichlich Krach, bevorzugt, wenn die Musiker gerade eine leise, intensive Stelle ansteuerten. Mir reichte es zur Pause. Ich kaufte die CD und ging nach Hause. Musik erleben in diesem Ambiente machte mir überhaupt keinen Spaß. Ich ahnte, dass die Band Bestes ablieferte. Die Atmosphäre im Club machte dieses Gefühl aber zunichte.

Umso mehr Freude macht die CD mit ihren elf Titeln. "57" ist die zweite Veröffentlichung der Heuser-Band mit Sänger Thomas Heinen, Schlagzeuger Marcus Rieck, Bassist Sascha Delbrouck und Keyboarder Matthias Krauss. Es ist eine gut durchhörbare Sammlung gängiger Rocksongs verschiedener Genres. Keines der Stücke überrascht wirklich. Doch wer will das schon? Major Heuser ist ein toller Gitarrist; seine Fans erwarten gewisse "Key Features" und erhalten sie auf "57" reichlich - natürlich inbegriffen der hymnischen Gitarren-Soli, die so nur der Major kann. Das wurde bei der bereits genannten Kölner Gruppe sehr deutlich, als der mittlerweile ebenfalls zum "Ex-Gitarrist" beförderte, wahrlich nicht schlechte Nachfolger lange Noten während der Soli mit mindestens einem weiteren Anschlag auffüllte, die der Major locker stimmungsvoll in die Länge gezogen hätte. 

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28
Okt

Niedeckens Solo-Album: Gemischter Blues dort, wo der Meister nicht auftrat

Diesen Text schiebe ich schon einige Wochen vor mir her. Ähnlich lang rotierte zuvor das Für und wieder in meinen Gedanken, ob ich die aktuelle Niedecken-Solo-Veröffentlichung "Zosamme alt" erwerben sollte oder nicht. Als die Nachrichten über den ersten Longplayer Niedeckens nach seinem Schlaganfall an mein Ohr drangen, war ich zunächst gespannt. Wurde mir doch angekündigt, der Mini-Meister aus Köln habe sich nach Woodstock begeben, wo einst der große Meister Bob Dylan eben nicht am legendären Flower-Power-Festival teilnahm, und dort ein Blues-Album eingespielt. Zur Studio-Band gehörte unter anderem Larry Campbell, der schon Bob Dylans Tour-Band bereicherte. Auch David Bowies Saxofonist Steve Elson habe mitgemischt, las ich. Und Niedeckens Buddy Julian Dawson war desgleichen dabei.

Mein Interesse erhielt einen herben Dämpfer, als ich dann die Liste der auf dem Album enthaltenen Stücke sah: Fast ausnahmslos "olle Kamellen". Das Argument, er habe Liebeslieder für seine zweite Frau zusammenfassen und in ein anderes Kleid wanden wollen, leuchtete mir zwar ein. Allerdings hat Niedecken - und hat BAP - in den vergangenen Jahren zunehmend Energie ins Recycling alten Materials investiert. Niedeckens - allerdings wirklich tolle - Big-Band-CD mit Köln-Liedern, die "Dreimal zehn Jahre"-Geburtstagssammlung von Eigen-Cover-Versionen, die Geburtstags-Live-Sammlung "Volles Programm", auf der sich wiederum eine Big-Band-CD mit Deutschland-Liedern befindet, und nun die Blues-Kollektion von Tina-Liedern. Mich beschlich und beschleicht der Verdacht, dass Niedecken, der mich - mit und ohne BAP - seit meiner Jugend musikalisch begleitet, Stein für Stein an seinem eigenen Museum arbeitet. Den Lebenswerk-Echo hat er ja schon.

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