Niedecken

8
Mär

Zwei unterschiedliche Autobiographien über Ereignisse, die ganz unerwartet einschlagen

Ein sonniges Wochenende liegt hinter mir. Gleichwohl verbrachte ich große Teile der Zeit zu Hause im Sessel unter der Leselampe. Das ist halt so, wenn man sich noch etwas erholen muss. Langweilig wurde mir nicht: Zwei Bücher lagen auf dem Tisch und wollten gelesen werden. Zwei sehr unterschiedliche Bücher, die vielleicht eines gemein haben: Es sind Autobiographien mit dem Schwerpunkt auf einem bestimmten Lebensabschnitt der Verfasserinnen und Verfasser. Gemein ist beiden Werken auch, dass ich ihre Lektüre empfehle. Angela Marquardts "Vater, Mutter, Stasi" sei jedem und jeder ans Herz gelegt. Wolfgang Niedeckens "Zugabe" ist auch toll, wird aber vor allem Fans des kölschen BAP-Chefs erfreuen. Und ich bin ein Fanboy.

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28
Okt

Niedeckens Solo-Album: Gemischter Blues dort, wo der Meister nicht auftrat

Diesen Text schiebe ich schon einige Wochen vor mir her. Ähnlich lang rotierte zuvor das Für und wieder in meinen Gedanken, ob ich die aktuelle Niedecken-Solo-Veröffentlichung "Zosamme alt" erwerben sollte oder nicht. Als die Nachrichten über den ersten Longplayer Niedeckens nach seinem Schlaganfall an mein Ohr drangen, war ich zunächst gespannt. Wurde mir doch angekündigt, der Mini-Meister aus Köln habe sich nach Woodstock begeben, wo einst der große Meister Bob Dylan eben nicht am legendären Flower-Power-Festival teilnahm, und dort ein Blues-Album eingespielt. Zur Studio-Band gehörte unter anderem Larry Campbell, der schon Bob Dylans Tour-Band bereicherte. Auch David Bowies Saxofonist Steve Elson habe mitgemischt, las ich. Und Niedeckens Buddy Julian Dawson war desgleichen dabei.

Mein Interesse erhielt einen herben Dämpfer, als ich dann die Liste der auf dem Album enthaltenen Stücke sah: Fast ausnahmslos "olle Kamellen". Das Argument, er habe Liebeslieder für seine zweite Frau zusammenfassen und in ein anderes Kleid wanden wollen, leuchtete mir zwar ein. Allerdings hat Niedecken - und hat BAP - in den vergangenen Jahren zunehmend Energie ins Recycling alten Materials investiert. Niedeckens - allerdings wirklich tolle - Big-Band-CD mit Köln-Liedern, die "Dreimal zehn Jahre"-Geburtstagssammlung von Eigen-Cover-Versionen, die Geburtstags-Live-Sammlung "Volles Programm", auf der sich wiederum eine Big-Band-CD mit Deutschland-Liedern befindet, und nun die Blues-Kollektion von Tina-Liedern. Mich beschlich und beschleicht der Verdacht, dass Niedecken, der mich - mit und ohne BAP - seit meiner Jugend musikalisch begleitet, Stein für Stein an seinem eigenen Museum arbeitet. Den Lebenswerk-Echo hat er ja schon.

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