Konzert von Clueso in der Halle Münsterland: teures Pay-TV

Aufnahme des Konzerts von Vlueso in der Halle Münsterland in Münster am 17. März 2026

Ich schaffe es nicht, „Chicago“ von Clueso zu hören, ohne dabei Tränen in die Augen zu bekommen. Insofern war klar, dass der Auftakt des Clueso-Konzerts am Dienstag, 17. März 2026, in der Halle Münsterland in Münster, für mich schwer und schön zugleich werden würde. Denn, das wusste ich dank Instagram, damit würde das Konzert beginnen.

Damit bescherte mir der Erfurter Popstar bereits früh einen starken Gefühlsausschlag. Das war noch nicht alles an diesem Abend in der nicht ganz ausverkauften Großen Halle – ich hatte das Ticket kurzfristig am Vorabend erworben. Hinzu kamen noch totale Begeisterung, Langeweile und dann Verärgerung.

Die Musik von Clueso läuft bei mir recht häufig. Ich mag seine poppigen, eingängigen Singer-Songwriter-Veröffentlichungen. Sein neues Album „Deja-Vu 1/2“ ist, wie man es wohl nennt, gut „durchhörbar“, seine älteren Alben mag ich gern. Insofern bot mir die Auftaktphase eine Reihe toller Erlebnisse. Diese reichten vom bereits genannten „Chicago“ über das gut abgehangene „Neuanfang“ bis hin zu Deja-Vu-Songs wie „Ballon“ oder „Minimum“.

Meine Begeisterung nahm von Song zu Song ab

Im Laufe der ersten Konzertstunde stellte ich allerdings fest, dass meine Zugewandtheit zum Geschehen auf der Bühne sich veränderte. Das hatte mehrere Gründe. Es fiel auf, dass die Band die Abläufe der Show noch nicht verinnerlicht hatte. Nach den flüssigen Wechseln zwischen den ersten Liedern wurden die folgenden Übergänge immer holpriger. Die Bühne blieb lange dunkel, ohne dass dies in irgendeiner Form überbrückt wurde oder dass ersichtlich gewesen wäre, warum dies geschah. Selbst wenn die Bühne zwischen zwei Stücken hell blieb, blieb das Geschehen unklar.

Eine lange Dunkelphase auf der Bühne nutzten Clueso und Drummer Tim Neuhaus dazu, auf die Galerie zu laufen, wo sie dann einige Songs akustisch darboten. Neuhaus spielte dabei Gitarre. Vom gegenüberliegenden Rang antwortete ein Bläser. Das war ganz nett. Wieder unten angekommen, leitete Clueso dann einen DJ-unterstützten Abschnitt ein und präsentierte einige alte Schätzchen. Dies langweilte mich. Zu dem frühen Teil von Cluesos Musik fehlt mir der Zugang, wofür der Künstler nichts kann. Allerdings hatte ich auch den Eindruck, dass der Sound in der Halle schlechter geworden war. Er war sehr bassbetont, dabei aber verwaschen.

Alles viel zu grell ausgeleuchtet

Was ich nicht erwartet hatte, war meine Reaktion auf die Bühnengestaltung. Bis dahin hatte ich – es ist tatsächlich so! – noch nie ein Konzert erlebt, bei dem der Bühnenhintergrund komplett von einer LED-Wand eingenommen wurde. Bespielt wurde der Hintergrund mit Live-Aufnahmen von Clueso und dem Bühnengeschehen. Hin und wieder wurde auch Publikum eingeblendet.

Durch den LED-Hintergrund war es sehr hell auf der Bühne. Denn auch die Bühne als solche wurde sehr hell und eher gleichmäßig ausgeleuchtet. All dies erschwerte es darüber hinaus, sich auf die „echten“ Abläufe auf der Bühne zu konzentrieren. Denn es wurden ja ständig zweidimensionale Riesenprojektionen des Live-Geschehens angeboten. Ich musste mich anstrengen, auf die wirklichen Menschen zu achten, ich war ja nicht zum Fernsehen in die Halle Münsterland gekommen.

Eigene Beobachtungen waren kaum möglich

Damit Bewegtbilder gezeigt werden können, werden Kameras benötigt. Die praktische Folge dessen war, dass sich auf der Bühne die Musikerinnen und Musiker aufhielten, aber auch permanent ein oder zwei Kameraleute herumliefen und das Geschehen filmten. Bevorzugt fokussierten sie natürlich Clueso, mal in Nahaufnahme vor dem Bühnenhintergrund, mal im Zusammenspiel mit Mitmusizierenden, mal singend vor dem Publikum. Grundsätzlich ist derlei ganz nett. Es ermüdete mich auf Dauer aber, zumal Clueso erkennbar für die Kamera und sehr oft nicht zum Publikum gewandt performte.

Es mag eine Altersfrage sein, aber ich gehe auf ein Rock-Pop-Konzert, um echten Menschen bei ihrem Auftritt zuzusehen. Dabei möchte ich das Geschehen auf der Bühne beobachten, möchte erleben, wie die Musikerinnen und Musiker interagieren, und möchte die Gelegenheit für selbstbestimmte Blicke haben. Dies war bei Clueso in der Halle Münsterland letztendlich nicht möglich. Die überlebensgroßen, choreografierten Bilder dominierten alles. Ich sah – bei nicht wirklich günstigem Eintritt – einer Videoproduktion zu, keinem Musiker(innen)auftritt.

Anstatt weiter ins Konzert hineingezogen zu werden, führte die Berieselung mit immer mehr Riesenbildern, die sich im Verlauf des Konzerts zunehmend ähnelten, bei mir zu einer sich verstärkenden Distanzierung vom Geschehen. Verbunden mit dem nicht ganz so tollen Klang und den Unwuchten bei der Gestaltung der Show zog ich es nach etwa einer Stunde dann vor, das Konzert zu verlassen. Erstaunlicherweise war es im Foyer der Halle Münsterland nicht leer. Es standen und saßen recht viele Besucherinnen und Besucher herum, die gelangweilt auf ihren Smartphones herumtippten.

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