Ist es gut, dass wir in den seltensten Fällen wissen werden, dass dieses eine das letzte Foto sein wird, das wir von einem geliebten Mit-Lebewesen gemacht haben werden? Vermutlich ist es gut so, dass wir dies nicht mit Sicherheit sagen können. Sonst würden wir ja bereits vor dem Auslösen Rotz und Wasser heulen.
Als ich mit meinem Hund Rocky noch über den Jahreswechsel an die Nordsee gefahren bin, habe ich ihn natürlich auch fotografiert. Sonst bin ich nicht so der Knipser, der pausenlos das Objektiv der Smartphone-Kamera auf seine Mitmenschen und -tiere hält. Im Urlaub darf es dann aber schon mal sein.
Ich hatte auch gute Gründe, Rocky abzulichten. Ich freute mich nämlich, dass es dem alten Hunde-Herren – immerhin war er bereits über 13 Jahre alt – an unserem Urlaubsdomizil, das er bereits von früheren Aufenthalten kannte, gut gefiel. Seit dem Spätsommer machte er mir immer mehr Sorgen, sein Gesundheitszustand hatte sich kontinuierlich verschlechtert. Eine chronische Darmentzündung ließ sich letztlich nur noch mit Cortison im Griff behalten. Die Folge: Er wurde anfällig für zusätzliche Infekte.

Dieses Foto ist nicht das letzte, aber eines der letzten Bilder, die ich von Rocky gemacht habe. Es ist garantiert das letzte, auf dem sein ganzer Körper zu sehen ist.
Für den Nordsee-Urlaub hatte ich ihm noch einen Mantel gekauft, damit er – in den vorangegangenen Monaten deutlich abgemagert – nicht allzu sehr frieren musste. Das wärmende Kleidungsstück akzeptierte er gern und tapste tapfer neben mir her, wenn wir unsere täglichen Gänge zum Deich unternahmen.
Rocky war langsam geworden, aber weiterhin sehr aufgeschlossen. Seit Jahren litt er bereits unter Arthrose, was sein Fortkommen natürlich erschwerte. Zwei bis drei Kilometer schaffte er an der Nordsee gleichwohl noch. Das war schön. Ich kehrte am 3. Januar recht zufrieden nach Hause zurück. So hätte es noch eine Weile weitergehen können.
Zwei Wochen später ging es dann zu Ende. Dieser eine Infekt war zu viel. Drei Tage lang hoffte ich, dann war klar: Rocky möchte gehen. Mehr konnte ich nicht mehr für Dich tun! Nun ist es in meiner Wohnung leer. Es bleibt Dankbarkeit, dass ich Dich so lange bei mir haben durfte. Mit sechs Jahren zogst Du – vermittelt über den Tierschutz – bei mir ein und bliebst etwas mehr als sieben Jahre.
Es war eine gute Zeit!


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