Schlagwort: Vlotho

  • Schreckliche Schreibkraft während des Nazi-Terrors mit Nachleben in Vlotho

    Schreckliche Schreibkraft während des Nazi-Terrors mit Nachleben in Vlotho

    Die nationalsozialistische Terrorherrschaft in Deutschland beschäftigt mich immer wieder aufs Neue. Es gibt wahrlich ausreichend Gründe, auch heute noch auf diese Zeit zu schauen und sich zu gruseln, dass viele deutsche Wählende sich scheinbar nichts sehnlicher wünschen, als zu ähnlichen Zuständen zurückzukehren. Auf eine schlimme Episode mit Vlotho-Bezug stieß ich kürzlich in einem Podcast.

    Die Verbrechen der Deutschen in dieser Zeit wurden nicht nur durch die „großen“ Namen begangen, an die jede:r sofort denkt. Hunderttausende und Millionen von Menschen sorgten durch kleinere oder größere Unterstützungsleistungen dafür, dass das System funktionierte – mit all seinen schrecklichen Konsequenzen.

    MDR-Podcast erzählt von Magdalene Thalwitzer

    Die Biografien solcher exemplarischer, „einfacher“ Täter:innen zeichnet der MDR-Podcast „NS-Cliquen“ nach. In Folge 3 der dritten Staffel befassen sich Moderatorin Janine Funke und Historiker Dr. Stefan Hördler mit Magdalene Thalwitzer. Die 1917 in Pommern geborene Frau arbeitete demnach seit 1941 als Schreibkraft in der Tötungsanstalt Hartheim nahe dem österreichischen Linz. In dieser Einrichtung ermordeten die Nazis behinderte Menschen und andere, die sie als „lebensunwert“ ansahen. Die Angehörigen erhielten nach der Ermordung Briefe mit erlogenen Todesursachen. Diese Briefe schrieb Magdalene Thalwitzer.

    Nicht weit entfernt von Hartheim befand sich das österreichische Konzentrationslager Mauthausen. Dort arbeitete laut Darstellung des Podcasts ein Fahrer namens Wilhelm Steinmann. Dieser steuerte hin und wieder Hartheim an, um dort Menschen „abzuliefern“, die ermordet werden sollten. SS-Mann Steinmann und Thalwitzer verliebten sich ineinander und heirateten. Die nunmalige Frau Steinmann wechselte die Dienststelle und arbeitete fortan in Mauthausen, bis sie ein Kind bekam und danach nicht mehr weiter für die Nazis berufstätig war.

    Auf dem Vlothoer Wirtschaftsamt eine Holocaust-Überlebende beleidigt

    Geschichten wie diese erzählt der „NS-Cliquen“-Podcast viele. Oft schließen sie damit, dass die Porträtierten nach dem Krieg wenige bis keine Konsequenzen zu tragen hatten. Auch in dieser Folge wird das Nachkriegsleben von Magdalene Steinmann angedeutet. Diese zieht nämlich in den Heimatort ihres Mannes – und das ist Vlotho! Ihr Mann ist zunächst in Kriegsgefangenschaft und muss nach seiner Rückkehr immerhin noch drei Monate ins Gefängnis.

    Seine Frau, die einstmalige Tötungsanstaltssekretärin, wird allerdings bald auffällig. Im Herbst 1946 soll sie auf dem Wirtschaftsamt in Vlotho eine aus dem KZ zurückgekehrte Jüdin „schwer beleidigt“ haben, berichtet Dr. Stefan Hördler. Dafür belegte die Staatsanwaltschaft Minden sie mit einer Geldbuße von 50 Reichsmark. Weitere Ermittlungen gab es gegen sie nicht.

    Henny Silberberg fühlte sich in Vlotho nicht willkommen

    Opfer der Steinmann’schen Beleidigungen war übrigens die Vlothoerin Henny Silberberg. Deren Mann war in Auschwitz ermordet worden, sie selbst und ihre Tochter überlebten Theresienstadt, Auschwitz und zuletzt Groß-Rosen. Nach der Befreiung kehrte sie nach Vlotho zurück, fühlte sich dort schlussendlich aber nicht willkommen und wanderte mit ihrer Tochter in die USA aus. Die Informationen zu Henny Silberberg habe ich übrigens diesem lesenswerten Artikel auf der Internetseite der Vlothoer Mendel-Grundmann-Gesellschaft entnommen.

  • Schrägstrich, Punkt, Unterstrich, Sternchen: Sag, wie hältst Du es mit dem Gendern?

    Schrägstrich, Punkt, Unterstrich, Sternchen: Sag, wie hältst Du es mit dem Gendern?

    In den 1990er-Jahren verbrachte ich in meiner Heimatstadt Vlotho viel Zeit in meinem Stammcafé, dem Café Klatsch. Diese, im Jahr 2000 geschlossene Institution der lokalen grün-alternativen Szene verfügte über ein Gästebuch. Darin wurden die Besuchenden mit der Formulierung „Liebe GästInnen“ angesprochen. Das fand ich damals lustig, ironisch und ein wenig irritierend.

    Damit sind wir beim Thema „Gendern“ angelangt. Wenn man darauf im Lichte des aktuellen, rechtspopulistischen Diskurses gegen die „woke, links-grün-versiffte Gender-Ideologie“ schaut, drängt sich der Eindruck auf, es sei ein neues und vor allem total gefährliches Phänomen, das es in den „guten alten Zeiten“ niemals gegeben hätte, weil die Menschen damals noch vernünftig waren und den gesunden Menschenverstand benutzten.

    Auf geschlechtergerechtes Schreiben wurde schon im Mittelalter geachtet

    Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein – weil es eben auch nicht stimmt! Kommen wir zur eingangs erwähnten „Gästin“ (ohne Binnen-I) zurück. Ich wurde journalistisch-sprachlich wesentlich sozialisiert durch meinen Ausbildungsredakteur im Redaktionsvolontariat. Dieser war – ich übertreibe nicht! – ein radikaler Gegner des Genderns und lehnte vor allem das Binnen-I militant ab. Dass er vielleicht etwas einseitig auf diese Materie blickte, ahnte ich schnell. Unter anderem kam ich ins Grübeln, als ich feststellte, dass die „Gästin“ einen regulären Eintrag im Duden hat.

    Wieder aufgefrischt wurde meine Faszination für die weibliche Form des Gastes durch einen LinkedIn-Beitrag von Eva Charlotte Kemper, in dem sie sich kritisch mit der Gästin als solcher auseinandersetzte. In einem Kommentar zu dem Beitrag verlinkte ich ein YouTube-Video, das ein Interview mit Katia Mann von 1969 zeigte, in dem sie ganz selbstverständlich von einer „Kurgästin“ sprach. Weitere Kommentierende hatten bereits angemerkt, dass die Gästin schon im Mittelalter als normale Bezeichnung für weibliche Gäste auftauchte. Das zeigt exemplarisch das Grimm’sche Wörterbuch.

    Während es also bereits im Mittelalter „geschlechtersensible“ Schreibweise – vulgo: Gendern – gab, scheint die Aufregung darüber eher neueren Datums zu sein. Menschen meines Alters begleitet die Diskussion, wie man Sprache gestaltet, damit Frauen nicht nur „mitgemeint“ sind, jedenfalls durch ihr ganzes Leben.

    Als das „phallische“ Binnen-I der große Aufreger war

    Gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Im Gästebuch meines damaligen Stammcafés fand sich die Schreibweise „GästInnen“. Damit nahmen die damaligen BetreiberInnen das Binnen-I auf, das in Deutschland durch die damals linksalternative „tageszeitung“ (taz) populär wurde. Erfunden hat das Berliner Blatt diese Schreibweise, die es mittlerweile selbst kaum noch verwendet – im Kreis der Autorinnen und Autoren wurde dem großen I schon vor fast 20 Jahren sogar etwas Phallisches unterstellt –, indes nicht.

    Die „Credits“ dafür darf für die journalistische Landschaft laut Oliver Tolmein, der das Binnen-I bei der taz mit einführte, die Schweizer „Wochenzeitung“ (WOZ) beanspruchen, die es 1983 einführte. Das Goethe-Institut weiß hingegen vom Journalisten Christoph Busch, der schon zwei Jahre zuvor in einem Buch über freie Radios das große I verwendete.

    Eine frühe Spur der Binnenmajuskel-Gendern-Variante führt also in die Eidgenossenschaft. In diesem Sprachraum, der kein „ß“ kennt, beschäftigen sich die Menschen, so scheint es, intensiv mit der Herausforderung, wie Männlein, Weiblein und alles dazwischen und darüber hinaus in der Sprache repräsentiert werden können. Dementsprechend sei an dieser Stelle dieser kompakte Überblick des Schweizerischen Rundfunks (SRF) über die Geschichte des sprachlichen Genderns empfohlen.

    Der SRF verortet den Anfang des modernen Genderns in den 1960er Jahren. Damals begannen Feministinnen, die weibliche Form mit dem Schrägstrich an den meist männlichen Wortstamm anzufügen. Aus dem Bürger wurde also der/die Bürger/in. Das Binnen-I war quasi als „Vereinfachung“ der Schrägstrich-Variante gedacht.

    Kritik an binären Gendervarianten von mehreren Seiten

    Sprachpuristinnen und Sprachpuristen bemängeln am Gendern immer wieder, dass es nicht mit der vorhandenen Grammatik kompatibel sei. Auf ein/e Bürger/in kann mensch sich schlecht beziehen. Manche Formen (wie etwa Gast und Gästin) lassen sich gar nicht schreiben, weil die Wortstämme verschieden sind. In diesen Fällen bevorzugen viele – auch ich neige dazu –, beide Geschlechterformen auszuschreiben (wie am Beginn des Absatzes geschehen) oder geschlechtsneutrale Formulierungen zu wählen. Auf diese Art geraten Teilnehmende oder Studierende in Texte hinein.

    Über die rein binären Geschlechterschreibweisen rollten die Zeitläufte hinweg. Ob es nun die queerfeministische Ecke oder wer auch immer gewesen ist: Bemängelt wird, dass Bürger/innen, BürgerInnen oder auch Bürgerinnen und Bürger (ein geschlechtsneutrales „Bürgende“ funktioniert in diesem Zusammenhang nunmal nicht) sich jeweils nur auf die männliche oder weibliche Form bezögen und somit alle, die ihre geschlechtliche Identität anders definieren, nicht mit einbezögen.

    Aus dieser Diagnose heraus entwickelten sich die Schreibweisen, die heutzutage so heftigen Widerstand hervorrufen. Gemeint sind natürlich der Gender-Gap (Bürger_in), das Gender-Sternchen (Bürger*in) und der Gender-Doppelpunkt (Bürger:in). Behauptet wird, dass diese Formen inklusiver seien. Das bezweifle ich. Es kann durchaus sein, dass interessierte Kreise nun auch Transpersonen oder sich nicht eindeutig Identifizierende in diesen Buchstabenkonstruktionen wiederfinden. Diese Formen sind aber aus einem anderen Blickwinkel heraus betrachtet gerade nicht inklusiv. Sie schließen Menschen mit einem eingeschränkten Leseverständnis aus. Berichtet wird auch davon, dass Screenreader, die sehbehinderten Menschen Texte vorlesen, weder mit Sternchen noch mit Gender-Gap gut umgehen können. Der Doppelpunkt werde hingegen korrekt interpretiert, sodass zwischen „Bürger“ und „in“ eine kurze Pause gesprochen werde.

    Geschlechtersensible Sprache entwickelt sich auch international weiter

    Gleichwohl sehe ich, dass Sprache sich weiterentwickelt. Das ist gut so. Von den modernen Gendern-Formen erscheint mir der Doppelpunkt als am logischsten. Tatsächlich werdet Ihr ihn auf dieser Internetseite bisweilen entdecken. Restlos überzeugt bin ich davon allerdings nicht. Das betrifft vor allem die Repräsentanz zusätzlicher Geschlechtsidentitäten. Nach meiner Einschätzung ist dieser Aspekt mit einer Grammatik, die nur männliche, weibliche und neutrale Formen bereitstellt, einfach nicht lösbar.

    Gendern ist eine auf die jeweilige Sprache beschränkte Herausforderung. Während Sprechende und Schreibende im deutschen Sprachraum den Eindruck haben müssen, an ihren Doppelpunkt-, Schrägstrich-, Sternchen- oder Unterstrichvorlieben entscheide sich der Weltfrieden, diskutieren Menschen in anderen Ländern ganz andere Zeichen. In spanisch- und auch portugiesischsprechenden Ländern kommen beispielsweise die Zeichen „-e“, „-x“ und sogar „-@“ zum Einsatz, um Geschlechterverweise inklusiver zu gestalten, schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).

    Frankreich unterstellt die bpb noch, dass es dort keine vergleichbaren Formen gebe. Das stimmt so nicht. Hier weiß die Gesellschaft für deutsche Sprache mehr: Französinnen und Franzosen konstruieren geschlechtersensible Formulierungen mit dem Bindestrich oder dem Punkt. Die Bewohner dieses schönen Landes schreiben sich somit in der sogenannten „écriture inclusive“ wie folgt: Français.e.s.

    Diskussion ums Gendern ist noch lange nicht vorbei

    Sprechende und Schreibende haben also eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie sie sich im Diskurs ums Gendern positionieren. Restlos befriedigend finde ich keine der Varianten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Diskussion noch nicht an ihrem Ende angelangt ist. Das glaubt auch eine der renommiertesten feministischen Sprachwissenschaftlerinnen aus Deutschland. Luise Pusch weist deutlich darauf hin, dass die „modernen“ Formen des Genderns durchaus dazu führen können, dass Frauen einmal mehr aus der sprachlichen Sichtbarkeit gedrängt werden. Nötig seien ganz neue, eigenständige Sprachformen der Gender-Repräsentation. Wer sich dafür interessiert, sollte sich dieses Interview oder den Alles-gesagt-Podcast mit Luise Pusch zu Gemüte führen.

  • Kommunalpolitik auf Social Media: „Das crazy“ oder eher „six seven“?

    Kommunalpolitik auf Social Media: „Das crazy“ oder eher „six seven“?

    Aufmerksame Besucherinnen und Besucher dieser Homepage wissen es: Das ostwestfälische Vlotho ist meine Heimat, und deshalb verfolge ich auch die Kommunalpolitik der Kleinstadt an der Weser gründlich. Der dortige Bürgermeister Rocco Wilken schaffte es 2023 mit einer besonderen Social-Media-Aktion in die Medien. In voller Montur sprang das Stadtoberhaupt zum Start der Sommerferien im örtlichen Freibad vom Drei-Meter-Sprungbrett. Auch in den folgenden Jahren wiederholte er diese Aktion.

    Bekleidet badender Bürgermeister wurde zum Hit

    Mit dieser ungewöhnlichen Aktion erntete Rocco Wilken viel Aufmerksamkeit. Noch mit dem hier eingeblendeten Reel, das zwei Jahre nach seinem ersten Anzug-Dreier-Sprung entstand, sammelte er fast 5 000 Likes und 63 Kommentierungen ein. Sowohl auf seinem eigenen Account als auch auf dem der Stadt Vlotho, der das Reel damals ebenfalls sendete, liegen die Like-Zahlen sonst eher im niedrigen dreistelligen Bereich.

    Selbstverständlich nahmen sich weitere Kommunalpolitiker ein Beispiel an Rocco Wilken. Im Jahr 2024 sprang etwa der Bürgermeister aus Havixbeck, einer westlichen Nachbarstadt meines Wohnortes Münster, mit einem formvollendeten „Köpper“ vom Dreier. Vlothos Verwaltungschef hatte eine amtliche „Arschbombe“ bevorzugt.

    An Social Media kommen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker nicht mehr vorbei, wenn sie wahrgenommen werden wollen. Das ist klar. Immerhin erreichen sie damit vorwiegend junge Nutzerinnen und Nutzer, die weder die örtliche Tageszeitung lesen, noch über etablierte Formen wie etwa Bürgerversammlungen, Vereinsaktivitäten oder Infostände in der Innenstadt erreichbar wären.

    Junge informieren sich auf Social Media

    Wie stark junge Menschen auch politische Informationen über Social Media konsumieren, ist der Studie „How to Sell Democracy Online (Fast)“ zu entnehmen, die das Progressive Zentrum, die Bertelsmann-Stiftung und die Stiftung Mercator im September 2025 vorgelegt haben:

    „74 Prozent der 16- bis 27-Jährigen nehmen politische Informationen über Social Media auf, noch vor Schule (60 %), Familie (58 %), Freundeskreis (54 %) sowie den klassische[n] Medien wie Zeitung oder Fernsehen (46 %).“

    Kommunalpolitische Accounts: von staubtrocken bis bemüht hipp

    Es liegt nahe, dass Stadtspitzen wie auch Ratsmitglieder und kommunale Parteien Social Media nutzen, um sich direkt an ihre potenziellen Unterstützenden zu wenden. Wie diese Kommunikationsaktivitäten dann konkret umgesetzt werden, hängt sehr vom Einzelfall ab. Manche Instagram-Feeds kommunaler Würdenträger fallen eher staubtrocken aus. Andere Amtsinhaberinnen und -inhaber glänzen dagegen mit kreativen Einfällen und beeindrucken mit einem eher lockeren Tonfall.

    Im Extremfall kommen dabei dann Ergebnisse heraus wie der, den das Portal „eGovernment. Verwaltung digital“ aus dem TikTok-Feed der Osnabrücker Oberbürgermeisterin Katharina Pötter zitiert: „Wir sind no cap eine Stadt mit viel Plus-Aura“. Im Feed auf dem Video-Portal der niedersächsischen Kommunalpolitikerin findet sich demnach auch der „Klassiker“ eines jeden hippen Social-Media-Feeds: Das für Interviews nötige, externe Mikrofon wird an ein „lustiges“ Utensil geklebt. In diesem Fall handelt es sich um einen Pfannenwender.

    Erfolgreiche Social-Media-Kommunikation ist interaktiv

    Das eGovernment-Portal bringt in seinem Bericht noch weitere Beispiele, die zeigen, dass auch die Kommunalpolitik oft den gleichen Social-Media-Marketing-Regeln folgt wie viele Unternehmen und Privatnutzende. Es werden jeweils die aktuellen Trends auf TikTok, Instagram & Co. gesichtet und dann gegebenenfalls kopiert. Davon erhoffen sich die sozialmedial aktiven, kommunalpolitisch Öffentlichkeitsarbeitenden mehr Sichtbarkeit in den Algorithmus-gesteuerten Social-Media-Diensten. Viele Likes werden gern genommen, wichtiger sind allerdings Interaktionen wie etwa Reposts und Kommentare, erklärt unter anderem diese Hannoveraner Social-Media-Agentur.

    Im Streben danach, auf den jeweils aktuellen Trend aufzuspringen und die Content-Konsumgewohnheiten der jungen Zielgruppe zu treffen, können dann schon mal Zeichentrickkrokodile durch einen Beitrag laufen. Dieses Beispiel nennt eGovernment für einen Bürgermeister aus der Region Hannover. Daran schließt das Portal die berechtigte Frage an:

    „Eine Kernfrage ist: Wie unseriös darf ein Bürgermeister sein?“

    Nahbar und authentisch kommunizieren und nicht beliebig werden

    Dieses Dilemma muss nach meiner Meinung tatsächlich gelöst werden. Aktive aus der Kommunalpolitik müssen einen Spagat bewältigen. Sie dürfen auf ihren Social-Media-Accounts nicht wie distanzierte und humorlose Technokraten wirken. Stattdessen wollen sie sympathisch und nahbar rüberkommen. Die Studienleiterin der genannten Studie „How to sell Democracy Online (Fast)“, Paulina Fröhlich, bringt die sprachlich-inhaltlichen Anforderungen laut tagesschau.de auf die folgende Formel. Zu achten sei:

    „[a]uf ein authentisches Profil, auf eine verständliche Sprache, auf Themen, die wirklich mit der Lebensrealität von jungen Leuten auch zu tun haben.”

    Verwechselt werden dürfen diese Maßgaben allerdings nicht mit inhaltlicher Beliebigkeit und dem Anbiedern an die junge Zielgruppe. Laut Fröhlich spreche nichts dagegen, Inhalte unterhaltsam aufzubereiten. Von Tanzen und lustigen Filtern rät sie Politikerinnen und Politikern aber ab. Politischer Instagram- oder TikTok-Content solle sich, so die Studienergebnisse, auf die Lebenswirklichkeit Jugendlicher und Heranwachsender beziehen, alltagsnah sein und nicht abstrakt klingen.

    Wer in der Kommunalpolitik aktiv ist und über das Thema Social Media nachdenkt, sollte sich also vornehmen, ehrlich und authentisch zu wirken, aber nicht aufgesetzt Jugendsprache nachzuahmen. Wie auch grundsätzlich bei der Kommunikation von Behörden gilt auch in diesem Fall: Ja, der oder die Politiker:in ist sicher ein total sympathischer Mensch und darf sich gern nahbar geben. Bedenken sollte er oder sie aber auch, dass es eine Diskrepanz zwischen einem allzu lockeren Auftreten auf Instagram oder TikTok und der sonstigen öffentlichen Wirkung geben könnte. Wenn Politiktreibende beispielsweise Zwangsmaßnahmen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern vertreten müssen oder diesen beantragte Zuschüsse nicht bewilligen können oder wollen, hilft ihnen auch das hippste Auftreten auf Social Media nichts.

    Informieren, erklären, einordnen und Feedback einholen

    Was ihnen allerdings weiterhilft, ist, die sozialen Medien für Informationen und Erklärungen zu nutzen. Dort haben sie die Chance, mit den von einer Entscheidung Betroffenen in echte Gespräche zu kommen, sie frühzeitig zu informieren, die eigene Position zu verdeutlichen und etwaige Handlungsoptionen darzustellen – und zwar schnell und direkt. Neben vielen weiteren Vorteilen gehören diese Aspekte zu den wesentlichen Funktionen der Social-Media-Kommunikation in der Kommunalpolitik. Der Deutsche Städtetag hat dazu im Januar des vorigen Jahres ein lesenswertes Positionspapier herausgegeben.

    Sollten Kommunalpolitiker:innen bis zu dieser Stelle mitgelesen haben, sollten sie sich aufgerufen fühlen – falls noch nicht geschehen –, ihre eigene Social-Media-Kommunikation aufzubauen. Dazu benötigen sie natürlich eine Idee, was sie fortan veröffentlichen wollen. Und sie sollten auch dringend darüber nachdenken, wer zu ihrer Zielgruppe gehört. Wer Rentner:innen erreichen möchte, ist sicher auf Facebook an der besseren Adresse als auf TikTok. Für Angehörige der Generation Z gilt das Umgekehrte.

    Diese drei Content-Typen führen zum Erfolg

    Sind die Kanäle und die Zielgruppe bestimmt, kommt das Wichtigste: die Inhalte. Grob lassen sich drei Typen von Content unterscheiden, fasst das Aktionsprogramm Kommune „Frauen in die Politik!“ zusammen: bildende und unterhaltende Posts sowie Blicke hinter die Kulissen. Instagram, Facebook oder TikTok sind also gut dazu geeignet, die Nutzenden auch einmal mit auf Ausflüge ins heimische Büro, zum Wahlplakate-Kleben etc. zu nehmen. Genauso ist es möglich, dem leckeren Kuchen, den es bei der Landfrauenversammlung gab, die große Bühne zu bereiten.

    Was auf Eurem kommunalpolitischen Social-Media-Kanal allerdings nichts verloren hat, ist die lieblos gespiegelte Pressemitteilung des Kreisverbandes Eurer Partei, möglicherweise noch mit einem knackigen „Genauso ist es!“ angereichert. Nutzt stattdessen die Möglichkeit und erklärt, was damit gemeint ist und was die Auswirkungen des geschilderten Sachverhaltes für die Bürgerinnen und Bürger sind. Fragt nach der Meinung Eurer Folgenden und geht auf die Antworten ein. Das könnt Ihr schriftlich machen, oder Ihr nehmt einfach das Smartphone und filmt Euch beim Spazierengehen, während Ihr Euer Statement einsprecht. So macht Ihr Eure kommunalpolitische Arbeit transparent und sammelt zugleich noch „Punkte“ für den Algorithmus der jeweiligen Plattform.

    Falls Ihr übrigens Unterstützung für Eure Social-Media-Kommunikation benötigt, fragt doch einfach mich! 🙂

  • Fotos an meinen liebsten Plätzen in Vlotho

    Fotos an meinen liebsten Plätzen in Vlotho

    Am Samstag war ich mal wieder in Vlotho. Die Stadt an der Weser betrachte ich als meine Heimatstadt. Dort lebt meine Familie, dort besuche ich immer wieder Freunde. Obwohl ich seit 1996 in Münster wohne, fühle ich mich nach wie vor in Vlotho wohler.

    Genutzt habe ich den Aufenthalt, um neue Porträtfotos von mir anfertigen zu lassen. Diese hat die liebe Heike Begemann-Dröge gemacht. Schaut Euch auf dieser Seite um. Sie sind gut geworden, oder?

    Fotos aus Vlotho auf der Homepage des PR-Texters aus Münster?

    Diese Seite ist ja vor allem auch eine berufliche. Meine Karriere als Redakteur und PR-Texter spielt und spielte sich im Wesentlichen in Münster ab. Warum also packe ich nun ausschließlich Bilder von mir darauf, die mich an einem ganz anderen Ort zeigen?

    Der Grund könnte der folgende sein: Ihr – und idealerweise auch einige neue Kundinnen und Kunden – sollt mich auf meiner Internetseite besser kennenlernen. Meine Kompetenzen sollen sichtbar werden, schließlich bin ich ein begeisterter Texter und seit Jahren und Jahrzehnten im Bereich Marketing und PR aktiv. Natürlich möchte ich auch einen Einblick in meine Persönlichkeit bieten.

    Die beste Voraussetzung dafür, dass diese Ziele erreicht werden, sind authentische Bilder. Ich glaube fest daran, dass diese neuen Porträts eine Nuance „echter“ geworden sind, als wenn sie vor einer beliebigen anderen, ähnlich pittoresken Kulisse geschossen worden wären.

    Persönliche Erinnerungen machen die Motive „echter“

    Mit sämtlichen „Spots“, die Ihr auf den Bildern seht, verbinde ich dutzende Erinnerungen. Entweder bin ich dort als jüngerer Mensch von unseren Treffpunkten auf dem Heimweg entlanggelaufen, oder sie liegen in der Nähe geschätzter Joggingstrecken. Manche Orte sind verbunden mit Familiengeschichten. In einem Hintergrund ist beispielsweise das Gebäude zu erkennen, in dem sich die erste Arbeitsstelle meines Opas nach seiner Ankunft in Vlotho in der Nachkriegszeit befand.

    Jede:r, der:die mich kennt, weiß, dass ich ein echter Lokalpatriot bin. Es wurde Zeit, dass dies auch auf meiner Homepage erkennbar wurde. Wer weiß, vielleicht ergeben sich ja auch Möglichkeiten, dass ich als PR-Texter künftig verstärkt in Vlotho und Umgebung, zumindest aber in Ostwestfalen-Lippe tätig werde.