Wie lassen sich Texte, die in einem LaTeX-Editor verfasst wurden, schnell und einfach so exportieren, dass sie beispielsweise ohne viel Aufwand in ein WordPress-Blog eingefügt werden können? Mit dieser scheinbar einfachen Frage habe ich kürzlich große Teile eines Samstagnachmittags verbracht. Wo liegt das Problem, mögen sich manche Leserinnen und Leser fragen. Weil es sich bei LaTeX beziehungsweise TeX – wie auch bei HTML – um eine Auszeichnungssprache handelt, ist es nicht ratsam, einfach den Quelltext eines Beitrags zu kopieren und in andere Anwendungen einzufügen. Anders, als wenn Passagen einer Word-Datei kopiert werden, lassen sich bestimmte Formatierungen beziehungsweise Auszeichnungen nicht einfach über „Inhalte einfügen“ ausblenden. Eine Lösung musste also her. Es verging allerdings etwas Zeit, bis ich eine solche gefunden hatte und sie auch anwenden konnte.
Mir gefällt, dass ich mich mit LaTex auf die „Textarbeit“ konzentrieren kann
Warum habe ich mich mit solch exotischen Dingen beschäftigt? Ich schreibe gern, viel und, wie ich denke, gut. Immerhin ist das mein Beruf. Für eher private Texte, Kurzgeschichten, Essays oder Erzählungsfragmente, die ich für mich schreibe und die ich nicht zwingend auch veröffentliche, habe ich bereits früher bisweilen auf LaTeX-Editoren zurückgegriffen. Mithilfe von LaTeX, der bereits Anfang der 1980er-Jahre entwickelten Software und Auszeichnungssprache für das Textsatzsystem TeX, habe ich bereits meine 2004 fertiggestellte Magisterarbeit verfasst. Das gesetzte Ergebnis ist sehr elegant, und der Anmerkungs- und Literaturapparat gelingt einwandfrei – anders als zur damaligen Zeit mit Word, das bei umfangreichen Textdokumenten gern mal mit der Fußnotennummerierung durcheinandergeriet.
Nach einer kleinen Pause habe ich mir nun wieder LaTeX-Tools auf das Macbook installiert, weil ich dieses und jenes niederschreiben möchte. Im Laufe der vergangenen Monate habe ich – und es wird noch einiges dazukommen – verschiedene Textschnipsel erstellt, von denen einige möglicherweise miteinander kombiniert werden, andere hingegen noch geändert und weiterentwickelt werden sollen. Für eine solche Aufgabe ist eine LaTeX-Software ideal.
Der große Vorteil eines LaTeX-Softwaresystems liegt in den folgenden Punkten:
- Es richtet (nach geringem Einarbeitungsaufwand) die Aufmerksamkeit der Nutzenden nämlich tatsächlich auf die Textarbeit und lenkt die Aufmerksamkeit nicht durch bunte Oberflächen und grafische Gimmicks ab.
- Den Satz des Textes übernimmt die Software zuverlässig, elegant und fehlerfrei, darum müssen sich die Schreibenden nicht kümmern.
- Die „Gestaltungsarbeit“ der Verfassenden beschränkt sich darauf, Absatzschaltungen vorzunehmen, Abschnitte und Unterabschnitte kenntlich zu machen und, wenn es denn wirklich nötig ist, Passagen mit kursiver Schrift oder durch Unterstreichungen hervorzuheben.
TeXstudio ist praktisch und übersichtlich, bietet aber keinen richtigen HTML-Export
Für die tägliche LaTeX-Arbeit habe ich TeXstudio gewählt. Dieses Programm bietet eine übersichtliche, klar gegliederte Oberfläche mit einem Editor für die Textbearbeitung, einem Gliederungsbrowser für die verschiedenen Textabschnitte und -dateien sowie einer Voransicht der späteren PDF-Datei. Damit lassen sich alle wesentlichen Arbeitsschritte, von der Textauszeichnung bis hin zur Kompilierung, gut erledigen und für die gängigsten „Tasks“ gibt es sinnvolle Assistenten und Mustercode.
Zurück zur eigentlichen Frage dieses Beitrags: Ich hatte einen längeren Artikel verfasst, den ich auf meinem Blog publizieren wollte. TeXstudio bot mir leider keine über das Menü zugängliche Standardfunktion, um den von allen Auszeichnungsanweisungen bereinigten, reinen Beitragstext als Textdatei zu exportieren. Diese hätte ich gern erhalten, um sie dann in WordPress einzufügen und weiter bearbeiten zu können.
Zwar bietet TeXstudio die Option „Quelltext als HTML exportieren …“ an, das Ergebnis ist aber unbefriedigend. Es wird lediglich eine HTML-Datei erzeugt, die die PDF-Seiten eines Dokuments in Form von PNG-Grafiken ausgibt. Google Gemini verriet mir daraufhin, dass es Kommandozeilen-Tools wie tex4ht oder make4ht gibt. Damit kann eine .tex-Datei in HTML umgewandelt werden. Das klappt auch irgendwie. Allerdings schaffte ich es nicht, ein mir wichtiges Feature zu aktivieren: die Übernahme der Literaturverweise im Text.
Bei diesem längeren Text hatte ich wie bei einer Uni-Hausarbeit Literaturhinweise in Klammern nach dem Muster [Autor] [Jahr]: [Seite] eingefügt. Dazu nutzte ich das LaTeX-Paket biblatex, das wiederum mit dem Tool biber dafür sorgt, dass verwendete Literatur in eine Literaturverzeichnisdatei eingetragen wird. Auf die Literaturverzeichniseinträge kann wiederum mit Schlüsselwörtern im Fließtext referenziert werden. Genau diese Schlüsselwörter wurden nun nach dem Export per make4ht nicht aufgelöst.
Pandoc – kleines Kommandozeilentool mit sehr hilfreichen Optionen
Sicherlich hätte es irgendeine Lösung für diese Herausforderung gegeben, nur fand ich sie nicht. Also googelte ich weiter und fand das Tool Pandoc. Auch dabei handelt es sich um eine Software, die auf der Kommandozeile bedient wird. Wer davor keine Angst hat, wird aber schnell damit klarkommen. Panodoc ist nicht auf die Konvertierung von LaTeX-Dateien beschränkt. Es ist vielmehr darauf spezialisiert, sogenannte „Markup“-Formate zu bereinigen und in andere Dateiformate zu überführen. Dies können HTML-Dateien sein, aber auch der Word-Export ist unter anderem möglich.
Natürlich musste ich mich erstmal in die Logik von Pandoc einfinden, um zum gewünschten Ergebnis zu gelangen. Bei solchen Kommandozeilen-Tools bedeutet dies vor allem, sich mit den Eigenschaften der optionalen Befehlsparameter zu beschäftigen. Denn zunächst exportierte auch Pandoc die Literaturverweise nicht, ich hatte die entsprechenden Optionen –citeproc und –biblatex nicht gesetzt, also hielt die Software diesen Service für unnötig. Auf die Lösung stieß ich dank guter Tutorial-Texte wie diesen hier.
Lange Rede, kurzer Sinn: Mit einem Befehl wie
pandoc [Textdatei].tex -t html --bibliography=[literaturdatei].bib -s --citeproc -o [ausgabedatei].html
erhielt ich eine HTML-Datei, die meinen Wünschen entsprach. Ihren Inhalt kopierte ich in WordPress und nahm dann noch wenige Korrekturen vor. Unter anderem beseitigte ich doppelte Klammern, die bei den Literaturverweisen im Fließtext hinzugefügt worden waren. Im Literaturverzeichnis hatte es die Groß- und Kleinschreibung zerschossen, und einige Standardbegriffe wurden nun aus der englischen Sprachversion eingefügt. Ansonsten war das Ergebnis aber ausreichend, und ich konnte gut damit arbeiten.
Vier verschiedene Export-Tools bieten je eigene Vorteile
Mein LaTeX-Recherche-Samstag verlief also durchaus erfolgreich. Ich werde weiter mit diesem praktischen System arbeiten können, und es wird mich nicht daran hindern, darin erstellte Texte auch in anderen Zusammenhängen zu verwenden.
Wer sich für weitere Optionen interessiert, um LaTeX-Dokumente in HTML umzuwandeln, wird bei diesem Überblick fündig. Dort werden vier Varianten genannt, die jeweils eigene Vorteile aufweisen. Aber lest selbst!






