Kochbücher von Vincent Klink, Jamie Oliver und Tim Mälzer

Ich mag Kochbücher, in denen man lesen kann

Wie gehen wir mit den veränderten Tagesabläufen während der Corona-Pandemie um? Wir müssen unsere Tage anders gestalten, wir treffen weniger Menschen, während des Lockdowns sind Freizeiteinrichtungen und Restaurants, die wir gern aufsuchen, geschlossen.

So manch einer und eine scheint vor oder nach dem Homeoffice mehr Entspannung als sonst im Alkohol finden, wurde bereits im Sommer berichtet. Dass ohne Corona die ein oder andere Flasche Wein mehr in meinem Haushalt geleert wurde, mag ich nicht ausschließen. Vor allem aber nutze ich die Zeit zu Hause für etwas, das ich schon viele Jahre liebend gern mache: Kochen.

Ich bin ein klassischer Rezept-Kocher. Zwar bereite ich meine Lieblingsspeisen auch freihändig zu und bin durch jahrelange Praxis durchaus in der Lage, aus verschiedenen vorhandenen Zutaten ein brauchbares Mahl zuzubereiten, lieber lasse ich mich aber von Rezepten inspirieren.

Ich stöbere gern in schön gestalteten Druckwerken

Natürlich ist es praktisch, bei chefkoch.de Zutaten einzugeben und dann zu schauen, welche Gerichte vorgeschlagen werden. Lieber blättere ich aber in Kochbüchern. Es fällt mir leichter, aus einem gedruckten Buch die Informationen zusammenzusammeln, mit deren Hilfe ich mir das spätere Gericht vorstellen kann. Redaktionelle Auswahlen und ansprechende Fotografien – die besser sind als die obligatorischen Handy-Bilder bei chefkoch.de – machen darüber hinaus mehr Appetit darauf, einen Rezeptvorschlag auszuprobieren.

In diesem Sinne freute sich mein Kochbuch-Regal in diesem Jahr über den Zuwachs einiger wirklicher Glanzlichter, die ich hier kurz empfehlen möchte.

Miso-Suppe nach einem Rezept von Jamie Oliver
Miso-Suppe nach einem Rezept von Jamie Oliver

Den Anfang machte im Frühjahr Jamie Olivers damals aktuelles Werk „Veggie“. Solltet Ihr auf der Suche nach pfiffigen, nicht allzu komplizierten, vegetarischen Rezepten sein, findet Ihr in dem dicken Wälzer eine wahre Fundgrube. Fast jedes Rezept lohnt das Nachkochen. Allerdings solltet Ihr beachten, dass Oliver Zutaten verwendet, die in Festland-Europa eher exotisch anmuten – Hände hoch, wer aus dem Stegreif weiß, was Marmite ist! Auch merkt man ihm am recht häufigen Einsatz von Essig – was ich glücklicherweise mag! – seine britische Herkunft an. Und, auch das muss beachtet werden, er rät häufig zum Kauf von Konserven. Zumindest in meinem Haushalt ist der Abfallbehälter für die gelbe Tonne deutlich voller, wenn ich Rezepte von Jamie Oliver nachgekocht habe.

Tim Mälzer bringt Heimat in die Küche

Kurz danach wurde ich über das Geschenk einer lieben Freundin auf eine Art Kochbuch aufmerksam, die ich bislang wenig beachtet hatte. Werke, die die Bezeichnung Buch auch wirklich verdienen, weil sie über die Zubereitungsvorschläge hinaus die Lektüre lohnen. Ich bekam nämlich Tim Mälzers Buch „Neue Heimat“. Tim Mälzer? Ihr erinnert Euch: Über seinen Podcast schrieb ich hier.

In dem dicken, ansprechend gestalteten und wertig gedruckten Wälzer versammelt der Kitchen-Impossible-Koch viele, viele Rezepte, die vielfach internationale Einflüsse aufweisen, von ihm aber in die deutsche Küche eingepflegt werden. Dazu gibt es kulinarische Texte zu verschiedenen Aspekten, was Heimat für Tim Mälzer bedeutet. Es macht Spaß, darin zu lesen, die Rezepte zu überfliegen und das ein oder andere auszuprobieren. Am Abend des Tages, an dem ich dies schreibe, wird es bei mir beispielsweise das Kürbisrisotto aus der „Neuen Heimat“ geben. Super gefiel mir auch die Rote-Beete-Suppe mit Apfel und geradezu legendär ist das Schnitzel-Rezept mit Meerrettich.

Mittlerweile habe ich meiner Sammlung noch ein weiteres Mälzer-Buch hinzugefügt: das oben abgebildete „Die Küche“. Das umfangreiche Kompendium leistet nicht weniger als eine Einführung in die wichtigsten Küchenzutaten und -techniken. Es ist eine Fundgrube für einfache, pfiffige Rezepte und macht auch bereits erfahreneren Hobby-Köchen einfach noch mehr Lust aufs Hantieren mit Löffel, Messer, Topf und Pfanne. So verarbeitet der nicht wenig selbstbewusste Koch-Star etwa Kräuterseitlinge zu einer Art Spaghetti. Sieht toll aus, schmeckt noch besser! Gerade erst habe ich seine Kürbis-Rösti genossen. Ebenso einfach und schmackhaft!

Restaurant Wielandshöhe, Stuttgart, Alte Weinsteige
Vincent Klinks Restaurant Wielandshöhe an der Alten Weinsteige in Stuttgart.

Wohlbekömmliches vom Stuttgarter Sternekoch

Das einzige Sterne-Restaurant, das ich bisher aufgesucht habe, ist Vincent Klinks „Wielandshöhe“ in Stuttgart. Dort gibt es fantastisches Essen in einer grundsympathischen Atmosphäre. Wer dort überkandidelt angerichtetes Essen erwartet, das als solches nicht zu erkennen ist und bei dem man nicht genau weiß, wo Gabel und Messer anzusetzen sind, wird sich wundern. Bei dem TV-bekannten Koch sind die Zutaten der Star. Er serviert klare Teller, auf denen die darauf enthaltenen Produkte für sich sprechen. Satt wird man auch.

Klink ist meinungsstark. Das merkt, wer auf der Wielandshöhe-Homepage in Vincents Tagebuch stöbert. Dort macht er sich regelmäßig über kulinarische und andere Themen Gedanken und wirbt dafür, dass die Menschen mehr selbst kochen und dafür gute Zutaten verwenden.

Diese Thesen liegen auch seinen verschiedenen Buchveröffentlichungen zugrunde. Viel Spaß habe ich beispielsweise mit seinem handlichen Bändchen „Voll ins Gemüse“ gehabt. Darin erzählt er in verschiedenen Aufsätzen Geschichten rund ums Gemüse und handelt Gemüsesorten wie Kohl, Rote Bete, Rüben, Linsen, Auberginen etc. nacheinander ab – immer mit dazugehörigen, meist nicht übermäßig komplizierten Rezepten – 120 (!) insgesamt. Eine wahre Fundgrube, Warenkunde inbegriffen!

So habe ich gelernt, wie Spätzle geschabt werden, wie Schwaben Spätzle mit Linsen zubereiten, dass ein ganz einfach in einer Auflaufform mit etwas Brühe geschmorter Chicoree mit einer Sauce Béarnaise eine Köstlichkeit ist und wie lecker Krautspätzle sind. Vincent Klink ist eindeutig Schwabe! Man ahnt es bei der Häufigkeit, in der er Spätzle verwendet. Und seine Spätzle sind nahrhaft! Auf 200 Gramm Mehl gibt er vier Eier und schlägt daraus mit etwas Salz einen schwer reißenden Teig, den er dann vom Brett ins Kochwasser schabt.

Kleiner Wermutstropfen des wirklich unterhaltsamen Buches: Es hätte etwas mehr Lektorat vertragen. Klinks Gedankengänge sind gern etwas verschachtelt. Manchmal beschleicht den Lesenden der Verdacht, dass er den eigentlich Punkt, auf den er hinaus wollte, während des Schreibens vergessen hat. Auch die Rezepte wirken manchmal etwas flüchtig editiert.

Franz Keller packt die Bazooka aus

Cover Franz Keller, Ab in die Küche
© Westend-Verlag

Geht es Vincent Klink bereits darum, seine Leserinnen und Leser mit feiner Klinge und spitzer Ironie davon zu überzeugen, selbst zum Kochlöffel zu greifen und den industriellen Convenience-Produkten abzuschwören, richtet Franz Keller die Bazooka auf seine Leser(innen)schaft. Der ehemalige Sternekoch aus dem Badischen, der auf seinem „Falkenhof“ mittlerweile Landwirtschaft und einen Raum für kulinarische Events betreibt, wirbt in seiner Neuveröffentlichung „Ab in die Küche“ geradezu missionarisch für das Selberkochen.

Dieses Werk folgt dem vor einigen Jahren vielbeachteten „Vom Einfachen das Beste“ nach. Es ist bestens anschlussfähig an Vincent Klinks gerade vorgestelltes Buch. Auch Keller behandelt einzelne Gemüse, garniert die Warenkunde mit dem ein oder anderen kulinarischen Essay und reichert alles mit tollen Rezepten an.

Es ist auf jeden Fall lesenswert, gerade wegen der warenkundlichen Aspekte. Die Rezepte sind grundsätzlich ebenso einfach wie bei Vincent Klink, aber durchaus mit Anspruch. Es gibt beispielsweise ein Knollensellerie-Gratin mit Rote-Bete-Salat oder gratinierten Blumenkohl auf Kartoffelpürree.

Womit wir wieder beim Textanfang wären. Es ist quasi unmöglich, all die genannten Köstlichkeiten zu genießen, ohne dazu ein Glas Wein zu trinken. Dazu trägt auch bei, dass gerade Vincent Klink und Franz Keller bei ihren Rezepten durchaus häufig Wein verwenden.

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