18
Nov

Übersetzungshilfe für die Agentur für Arbeit beim morgendlichen Hunde-Spaziergang

Als ich heute Morgen mit meinem Hund durchs Roxeler Neubaugebiet lief, stürzte ein junger Afrikaner mit Frau und Kleinkind auf mich zu und hielt mir ein Handy hin. Er brauche mal Übersetzungshilfe. Die Dame am anderen Ende könne kein Englisch, sagt er mir in passablem, aber stockendem Deutsch. Außerdem bekam ich eine Bankkarte in die Hand gedrückt. Rätselhaft!

Ich stellte mich vor, eine Dame sagte dann, sie wolle die Kontonummer des "Kunden" abgleichen. Eine Nachfrage ergab, dass ich mit der Agentur für Arbeit verbunden war. Es ging offenbar darum, dass der junge Mann nachgefragt hatte, warum die Zulage von 72,90 Euro für die Bus-Monatskarte noch nicht überwiesen worden sei. Die Arbeitsagentur-Mitarbeiterin hatte es offenbar so verstanden, dass ihr Telefon-Kontakt (möglicherweise ein Flüchtling?) sich beschwert habe, noch überhaupt keine Überweisung erhalten zu haben. Stimmte aber nicht, hatte dieser auch nicht behauptet. Es ging nur um den aktuellen Monat.

Kurzum: Wir klärten, wann die Überweisungen jeweils zu erwarten seien, die für November war für die nächsten Tage vorgesehen. Außerdem klärten wir noch, ob die junge Menschen wussten, wie sie an ihre Kontoauszüge bei der Sparkasse kämen. Wussten sie. Erleichterung auf beiden Seiten.

Bleibt die Frage: Wie kann es sein, dass die Agentur für Arbeit im Jahr 2016 Menschen im Kunden-Kontakt beschäftigt, die nicht in der Lage sind, einfache Telefonate auf Englisch zu führen?

24
Okt

Warum ich beim Bürgerentscheid "Freier Sonntag Münster" mit "Ja" stimmen werde

Am Sonntag, 6. November, sind die Bürgerinnen und Bürger Münsters zum Bürgerentscheid aufgerufen. Entschieden werden soll, ob ein Ratsbeschluss für einige verkaufsoffene Sonntage in der Altstadt und in Hiltrup aufgehoben werden soll oder nicht. "Ja" heißt in diesem Fall: Sonntags bleiben die Läden in den nächsten drei Jahren dicht. "Nein" bestätigt den Ratsbeschluss. Die Geschäfte können allerdings trotzdem nicht öffnen, weil die Sonntagsöffnungen, die der Rat beschlossen hatte, mittlerweile weitgehend gerichtlich gekippt worden sind. Zum Bürgerentscheid gibt es ausführliche städtische Informationen auf dieser Seite.

Ich werde mit "Ja" stimmen, also für weitgehend geschlossene Geschäfte am Sonntage. Das hat kaum etwas mit der Kampagne des Bündnisses Freier Sonntag Münster zu tun, das das Bürgerbegehren gestartet hat. Das Bündnis ist eine wilde Mischung aus der Gewerkschaft ver.di und kirchlichen Verbänden. Geworben wird mit platten Parolen auf einem problematischen AFD-blau. Wichtiger ist mir, dass ich eine klare Regelung für sinnvoll halte, anstatt erst kleine Ausnahmen zu schaffen, um irgendwann alle Sonntage freizugeben. Ich finde, einen Tag in der Woche sollten die Läden zu haben, beispielsweise auch die Bäckereien.

23
Aug

Was wäre passiert, wenn Ernst Nolte heute den Historikerstreit losgetreten hätte? Und was hat das mit Frau Lohfink zu tun?

Achtung, in diesem Text kommen sowohl der Historiker Ernst Nolte als auch das TV-Sternchen Gina-Lisa Lohfink vor. Ein wilde Mischung. An einem gewissen Punkt treffen sich aber meine Gedanken zu beiden.

Am 19. August wurde bekannt, dass der Historiker Ernst Nolte gestorben ist. Die französische "Libération" bezeichnet ihn fälschlicherweise als "größten Nachkriegshistoriker Deutschlands" (so steht es in diesem Artikel). Sein Name steht für den Historikerstreit.

Seit ich von Noltes Tod las, beschäftigt mich die Frage: Was wäre eigentlich passiert, hätte der Mann seine Thesen heute veröffentlicht?

Ich bin mir annähernd sicher, dass es zu einem Historikerstreit, wie wir ihn nun als Teil der deutschen Geistesgeschichte kennen, nicht gekommen wäre. Klar, Nolte hätte in den sogenannten sozialen Medien eine Empörungswelle ohnegleichen geerntet. Online-Petitionen, Demonstrationen, vermutlich auch körperliche Übergriffe auf ihn wären die Folgen gewesen.

27
Jul

Harzer Grenzweg in drei Etappen: die Unterkünfte

Blutwurst! Nachdem ich von Zorge aus durchs wunderschöne Kunzental wieder auf den Harzer Grenzweg gestiegen und bereits einige Zeit bis zu einem Ausichtspunkt auf Sülzhayn gelaufen war, packte ich das Lunchpaket aus, das in meiner Unterkunft für mich vorbereitet worden war. Zwei belegte Brötchen erwarteten mich. Ich wickelte eines aus der Alufolie und sah: Blutwurst! Vielerlei Beläge hätte ich erwartet. Dieser gehörte nicht dazu. Blutwurst gehört zu den eher gewöhnungsbedürftigen Fleischprodukten. Ich hatte bis dato bestimmt 30 Jahre keine mehr gegessen. Man hätte ja vorher mal fragen können. Auf dem Brötchen befanden sich außerdem noch Gurken, Salatblätter und - so glaube ich - Remoulade. Das erleichterte das mutige Verschlingen der Pausen-Stärkung.

Das idyllische, aber tote Örtchen Zorge im Harz war das zweite Etappen-Ziel meiner Harz-Wanderung und würde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht über Einkaufsmöglichkeiten verfügen. Da ich mit Rucksack von Ort zu Ort unterwegs war, stellte sich am vorhergenden Etappen-Ziel Braunlage die Frage der Bevorratung für die dritte Etappe ab Zorge. Der Anruf in der Pension in Zorge wirkte sich dann schonend aufs Rucksack-Gewicht für die Etappe Braunlage - Zorge aus.

Wandschmuck im Hotel Nitzschke in Braunlage
Wandschmuck im Hotel Nitzschke in Braunlage

Günstige Zimmer waren kurzfristig buchbar

Meine Unterkünfte - Pensionszimmer mit Frühstück in diesem Fall - hatte ich nur wenige Wochen vorher über den Hotelbuchungsservice meines Vertrauens von zu Hause aus reserviert. Der Harz ist selbst in den Sommerferien offenbar nicht so überlaufen, dass Spontanurlauber dort nicht noch günstig unterkämen. Folgende Pensionen buchte ich:

Alle Bed-and-Breakfast-Einzelzimmer kosteten zwischen 35 und 45 Euro. Großer Luxus ist in dieser Preisklasse nicht zu erwarten. Stattdessen stellte ich mich auf soliden Charme der 70er und 80er Jahre ein. So kam es dann auch. Gleichwohl stellte ich überrascht fest, dass sich im zwischenzeitlich offenbar sanft entschlafenen Tourismus im Harz etwas tut. Denn alle vier Beherbergungsbetriebe, die ich aufsuchte, werden von vergleichsweise jungen Betreiberinnen und Betreibern geführt. Sie haben jeweils alteingesessene, vermutlich nicht allzu rentable Traditionsbetriebe mit neuen Ideen übernommen.

25
Jul

Wanderung in drei Etappen auf dem Harzer Grenzweg

In drei Etappen war ich in der vergangenen Woche auf dem Harzer Grenzweg unterwegs. Tatsächlich habe ich nur Teile des Harzer Abschnittes des Wanderweges absolviert, der als "Grünes Band" die gesamte ehemalige innerdeutsche Grenze nachvollzieht. Weder Anfangs- noch Endpunkt stimmen mit dem offiziellen Wanderweg überein. Auch habe ich hier und da den Grenzweg verlassen und wechselte auf für mich attraktivere Routen.

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Angereist war ich am Sonnntag, 17. Juli, nach Bad Harzburg. Am Montag ging es dann nach einer Übernachtung weiter über die Eckertalsperre und den Brocken zum Wurmberg und schließlich nach Braunlage. Die zweite Etappe führte am Dienstag, 19. Juli, über das Freilichtmuseum Grenzmuseum Sorge und Hohegeiß nach Zorge. Abschließend wanderte ich am Mittwoch, 20. Juli, von Zorge über Walkenried nach Bad Sachsa, von wo ich nach einer weiteren Übernachtung am Donnerstag, 21. Juli, wieder nach Hause fuhr.

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